NPD-Sonderkartei im Safe – Gepanzerter Mercedes – 400 Ordner pro Wahlversammlung

Von Dietrich Strothmann

Hannover, im Mai

Am 23. April, einem Mittwoch, war die Welt für Adolf von Thadden wieder in Ordnung, halbwegs wenigstens. An jenem Tag beschloß das Bundeskabinett – entgegen der Forderung von Innenminister Benda –, keinen Antrag auf Verbot der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands beim Bundesverfassungsgericht zu stellen.

Seit jenem Tag sieht Bonns "böser Bubi" wieder Land in Sicht: die sichere Chance, als vierte Partei in den Bundestag einzuziehen, als "nationale Opposition" ganz rechts Platz zu nehmen und ganz laut das zu betreiben, was diese Partei "deutsche Politik" nennt. Nachdem schon das "Verbotsgerede" für die NPD nicht zum Sterbegeläut wurde und nun die Verbotsdrohung verpuffte, müßte wirklich ein Wählerwunder geschehen, wenn Thaddens Marsch auf Bonn noch gestoppt werden könnte. Fünf Prozent gleich 25 Abgeordnete sind ihm sicher; er rechnet sogar mit acht bis zwölf Prozent, also mit 40 bis 60 Mandaten.

So einfach, wie sich der pommersche Landedelmann, nun kurz vor dem Höhepunkt seiner rechts-politischen Karriere, das parlamentarische Geschäft im Bundeshaus vorstellt, so simpel ist auch seine Hochrechnung des Wahlausgangs. Im Januar lag die NPD laut Meinungsumfragen noch bei zwei Prozent; Ende März kletterte sie bereits auf vier Prozent. "Das sind solide acht Prozent", schließt Thadden kurz. Und er zitiert Testergebnisse von Landtagswahlen, die sich am Wahltag verdoppelt haben. Darum ist er auch diesmal guten Mutes.

"Erzfeind Benda"