Mit der äußerst komplizierten Transaktion BASF/Wintershall ist nicht nur der Ludwigshafener Chemiekonzern bisher in den Besitz von mehr als drei Viertel des Wintershall-Kapitals gelangt, über das Nacherberecht aus dem Rosterg-Vermögen und dessen Tausch in BASF-Aktien hält die Kasseler Tochter jetzt auch nominal 42 Millionen Mark Aktien der Mutter. Wegen der hohen Steuerbelastung wird man diese BASF-Aktien sicherlich nicht als Daueranlage in Kassel lassen, sondern sie eines Tages vielleicht zum Kauf einer neuen Tochter verwenden.

Im übrigen hat die Ende 1968 eingegangene Ehe nicht nur eitel Freude gebracht; Ärger verursacht der Rechtsstreit mit drei Wintershall-Aktionären, die den Beherrschungsvertrag und den Umtausch von 10 Wintershall-Aktien in 9 BASF-Aktien gerichtlich anfechten. Diese Spruchstellenverfahren beschäftigen nach Angaben von Vorstandsmitglied Dr. Ernst Denzel zwei Mitarbeiter der Wintershall-Verwaltung "voll, und das auf Jahre".

Für die Aktionäre bedeuten diese Verfahren, daß das Umtauschangebot noch bis zum Ende der Prozesse läuft, voraussichtlich also noch Jahre. Über dem Rechtsstreit hängt gleichsam als Damoklesschwert die "BASF-Drohung", im Falle einer gerichtlichen Änderung des Umtauschverhältnisses den Beherrschungsvertrag mit der Dividendengarantie (neun Zehntel der BASF-Dividende) zu kündigen. Für den Minderheitenschutz im neuen Aktienrecht stellt der Fall Wintershall/BASF auch die erste Eignungsprüfung dar.

Der bisherige Vorstandsvorsitzende und jetzige Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Josef Rust sieht im Zusammengehen mit BASF die Krönung seiner unternehmerischen Tätigkeit bei Wintershall. Trotz der Schwierigkeiten meint Rust: "Ich würde es heute wieder machen!"

Rust sieht in der Ehe mit BASF "eine sinnvolle Koppelung von chemischer Weiterverarbeitung und Ur- und Zwischenprodukten im Düngemittel- und Erdöl-Chemie-Bereich". Deshalb wird in Zukunft stärker als bisher die Weiterverarbeitung ausgebaut werden; für die Mineralölseite wird das Losungswort für die Zukunft "Petrochemie" heißen, auf der Düngemittelseite wird man stärker in die Mischdünger vordringen. Die 122 Millionen Mark Investitionen des laufenden Jahres im Sachanlagenbereich werden diese BASF-Wünsche bereits berücksichtigen. Für die Zukunft ist man zuversichtlich. "Als Tochter einer gutsituierten Mutter marschiert Wintershall auf beiden Gebieten mutig voran", meint Rust mit einem Blick in die Zukunft. Der Gewinn, der pro Aktie (50 Mark) 1968 gegenüber dem Vorjahr von 10,95 Mark auf 12,10 Mark gestiegen ist, kam wieder zu 20 Prozent aus dem Düngemittelgeschäft und zu 80 Prozent aus dem Mineralölgeschäft. H. H.