Nicht dem Nazi-Regime, sondern dem Vaterland habe ich gedient." Diesen Satz, einst von ihm selbst zur Rechtfertigung vor den Nürnberger Richtern gesprochen, hätte sich Franz von Papen sicher gern als Nachruf gewünscht. Aber unter des Teufels Generälen, Admirälen und Ministern, unter all jenen, die dabeiblieben, "um Schlimmeres zu verhüten", war er der Unglaubwürdigste.

Vielleicht hat der Reichskanzler a. D. und päpstliche Geheimkämmerer bis zuletzt von sich gemeint, er sein wirklich ein Edelmann vom Scheitel bis zur Sohle. Doch so harmlos, wie er sich gab und wie er jenen erschien, die ihn als Marionette benutzen wollten – war er keineswegs. Franz von Papen ist einer der Totengräber der Weimarer Demokratie gewesen: Er hat autoritär regiert, längst ehe Hitler an die Macht kam; er hat den braunen Sturmkolonnen die Straße freigegeben; er hat den letzten Reichstag, der noch über eine republikfreundliche Mehrheit verfügte, nach Hause geschickt; er schließlich hat das demokratische Preußen durch einen Leutnant und zwölf Mann exekutieren lassen. Was Wunder auch: Parlamentarismus, Pluralismus und Parteienstaat waren diesem katholischen Adeligen zeitlebens verhaßt; der ehemalige Ulanenoffizier blieb geistig im Jahr 1914 stehen.

Daß Papen Hitler die Steigbügel gehalten hat, sollte man ihm nicht über Gebühr anrechnen. Der Mann aus Braunau, immerhin Führer der stärksten Partei im Parlament, war anders als durch einen Staatsstreich nicht mehr von der Macht fernzuhalten. Und den Irrtum, die Konservativen könnten den braunen Löwen bändigen, teilte Papen auch mit hellsichtigeren Politikern. Nicht nachsehen aber kann man ihm sein Verhalten nach dem Blutbad vom 30. Juni 1934, als die Schergen Hitlers zwei seiner engsten Mitarbeiter ermordeten und er dennoch dem Regime seine Dienste zur weiteren Verfügung stellte.

Die irdischen Richter haben Franz von Papen, wenn auch ungern, freigesprochen. Aber er mußte es sich gefallen lassen, daß Justice Jackson ihn als "frömmelnden Agenten einer ungläubigen Regierung" abkanzelte. Kein Vorwurf hat ihn so tief getroffen wie dieser. Was immer konservativ gefärbte Leitartikler heutzutage zu seinem Besten rühmen mögen, eines können auch sie nicht bestreiten: Dieser Mann hat sich nicht um das Vaterland verdient gemacht. K. H. J.