Nur wenige Tagesfragen sind so von Ideologen und Sonderinteressen vernebelt wie die Vermögenspolitik. Hier zu diesem Thema einige Feststellungen:

1. Karl Marx hat erkannt, daß die soziale Ungleichheit aus dem einseitigen Besitz der Produktionsmittel stammt.

2. Die kommunistische Lösung des Problems durch den Staatskapitalismus – vereinfacht: alles gehört allen und keinem etwas – funktioniert in entwickelten Ländern nicht, weil Wettbewerb und Gewinnmotiv als Motoren ausfallen und die Bürokratie als Bremse dazukommt.

3. Die Sozialdemokratie ist deshalb spätestens mit dem Godesberger Programm in ihrer großen Mehrheit von der Vergesellschaftung des wirtschaftlichen Vermögens abgerückt.

4. Wenn man aber einerseits das Privateigentum auch an den Produktionsmitteln anerkennt, andererseits die Analyse von Marx stimmt, so gibt es nur die Alternative einer besseren Verteilung dieses Eigentums.

5. Die derzeitige Verteilung ist nicht gerecht, weil sie eben nicht nur auf der Leistung der Besitzenden (die anerkannt und honoriert werden muß), sondern auch auf dem Zufall beruht, daß der eine Fabriken, Kaufhäuser und Aktien ererbt oder erheiratet hat, der andere nicht.

6. 17 Prozent der Bevölkerung besitzen 75 Prozent des Vermögens in der Bundesrepublik. Von 1950 bis 1963 haben 13 Millionen Arbeiter nur 27 Milliarden Mark Vermögen erworben, 2,79 Millionen Selbständige etwa 61,3 Milliarden Mark.