Die Linde AG in Wiesbaden, das älteste Unternehmen der Welt auf dem Gebiet der Kältetechnik, ist eine Publikumsgesellschaft reinsten Stils. Unter ihren 17 500 Aktionären gibt es keinen, der ein Paket von mehr als vier Prozent des Aktienkapitals von 65 Millionen Mark besitzt. Den relativ größten Anteil dürften wohl Nachfahren des Gründers halten.

Doch die Familie von Professor Linde, der das Unternehmen vor neunzig Jahren gründete, ist inzwischen auf rund hundert Personen angewachsen, und eine Zusammenfassung des Aktienbesitzes gibt es nicht. Daß auch die Zukunft der Gesellschaft ohne Bindung an einen Großaktionär verlaufen möge, ist der Wunsch des ungebundenen Vorstands, So wurden denn auch alle; Gerüchte über eine engere. Verbindung mit der AEG dementiert.

Mit einem Gesamtumsatz von fast 700 Millionen Mark, rund 12 000 Beschäftigten und zehn inländischen Fertigungsbetrieben muß Linde auch nicht darum bangen, allein existieren zu können. Sie zählt zu den neunzig größten deutschen Gesellschaften, ist aber auf zahlreichen Arbeitsgebieten international führend. Das Produktionsprogramm ist weit gespannt und reicht von der Klima- und Kältetechnik über Turbomaschinen, Hydraulik, Flurförderzeuge, Werkzeugmaschinen bis hin zu technischen Gasen und zur Schweißtechnik. Verkauft wird beispielsweise ein kleiner Schweißdraht, aber auch eine vollständige Großanlage von 300 Watt zur Erzeugung von Helium bei Temperaturen um minus 271 Grad Celsius.

Die Vielfalt der Erzeugungsgebiete war indessen in den letzten Jahren zu groß geworden. So gliederte Linde Anfang 1967 bereits das Hausgerätegeschäft aus und arbeitet seitdem auf diesem Gebiet in einer Tochtergesellschaft (Beteiligung: 25 Prozent) mit der AEG zusammen. Im März dieses Jahres erfolgte der zweite größere Schnitt am Programm. Das unrentabel gewordene Dieselmotoren- und Traktorengeschäft (unter dem Namen Güldner) wurde aufgegeben, der Service ging an Klöckner-Humboldt-Deutz.

Vorstandsvorsitzender Dr.-Ing. Johannes Wucherer, 63, der bereits fünfzehn Jahre im Vorstand ist, davon über die Hälfte als Chef, glaubt, daß jetzt alle strukturellen Hindernisse ausgeräumt sind. Man sei "von der Phase des Ab- und Umbaus zu der des Aufbaus" gekommen. Dennoch meinen Branchenexperten, daß Linde immer noch über zu viele Sparten verfügt. Eh.

Ausführliche Besprechung folgender Firmen in der nächsten Ausgabe "Der Volkswirt" Nr. 19/69:

Deutsche Bank; Dresdner Bank; Commerzbank; The Chase Manhattan Bank; Rheinische Hypothekenbank; Hypothekenbank in Hamburg; Lübecker Hypothekenbank; Westbank AG; Absatzkreditbank; Nassauische Sparkasse; Debeka Leben; Kloeckner Werke; Alcan Aluminium Ltd.; Horten; Neckermann; Vereinigte Papierwerke Schickedanz; Olympia Werke; Zeiss Ikon; Kabelwerk Rheydt; Nordcement.