Der steigenden Flut von Spekulationen über einen unmittelbar bevorstehenden einseitigen Truppenabzug aus Vietnam und dem wachsenden Druck der amerikanischen Öffentlichkeit hat das Weiße Haus am Montag ein offiziöses Dementi entgegengesetzt. Präsident Nixon, so hieß es in Washington, werde amerikanische Soldaten nur dann vom Kriegsschauplatz abberufen, wenn

  • Nordvietnam zu einem parallelen Truppenabzug bereit ist,
  • sich die militärische Lage deutlich verbessert und
  • die Kampfkraft der südvietnamesischen Armee verstärkt ist.

Gleichwohl hielten sich Vermutungen über eine Wende in Vietnam: Die Kampftätigkeit ging zurück, die amerikanischen Verlustziffern fielen. Aus Hanoi traf via Peking und Moskau das einflußreiche Politbüromitglied Le Duc To wieder in Paris ein, mit dem die Amerikaner bislang alle wichtigen Konferenzfortschritte ausgehandelt hatten. Auch die Leiterin der NLF-Abordnung, Frau Binh, kehrte nach Konsultationen mit dem Vietcong in die französische Hauptstadt zurück. Selbst in Saigon wurde eifrig konferiert.

Auf der 15. Pariser Vollsitzung am Mittwoch voriger Woche hatte zudem der NLF-Vertreter Tran Bau Kiem erstmals in einer offiziellen Erklärung betont, daß die Befreiungsfront "auf der Grundlage ihrer Position bereit ist, mit den anderen Parteien Gespräche aufzunehmen, um die Konferenz voranzubringen". Diese Äußerung wurde in Paris als weiterer Hinweis auf jetzt vielleicht mögliche Geheimgespräche zwischen der NLF und der südvietnamesischen Regierung interpretiert.