Wenn die Phantasie aus der Gesellschaft so vollständig vertrieben ist, daß die Kunst zur Vertretung der Bürokratie im Reich der Einbildung wird, dann müssen die Wünsche und Phantasien ihre Form als Kunst sprengen und sich die politische Form suchen.

Peter Schneider

Neue Töne, neue Wege

Daß Konzentration und Rationalisierung zu besseren Ergebnissen führen und die Kommunen die Musik-Millionen ihres Kulturhaushaltes auch für anderes als traditionelle Philharmonische Konzerte ausgeben können, zeigen in Köln die Rheinische Musikschule (Konservatorium), die Staatliche Hochschule für Musik und der Westdeutsche Rundfunk. Nach langjährigen Konkurrenzquerelen haben die drei Institute sich jetzt für die sechsten "Kölner Kurse für Neue Musik" (29. September bis 13. Dezember) verbunden. Unter der Leitung von Mauricio Kagel wird man sich der Perfektionierung der Technik in Komposition und Interpretation widmen und besonders – unter dem Stichwort "Musik und Bild" – neue Formen der Vermittlung von Musik im Fernsehen erkunden und erproben. Bernd Alois Zimmermann wird zudem ein Seminar über "Musik und Szene" leiten. "Ändert die musiksoziologischen Grundlagen, um bessere Musik zu machen", forderte Kagel schon vor Jahren. Die gemeinsame, weniger im alten diktatorischen Dozenten- als vielmehr im neuen Team-Stil geplante Arbeit der drei Institute könnte da auch einen besseren Weg weisen.

Meuternde Künstler

Schreckliches droht den Passagieren der Queen Elizabeth II", die zur Zeit mit dem 65 000-Tonnen-Luxusdampfer auf dessen Jungfernreise über den Nordatlantik schippern: Die Bord-Bar-Musiker drohten, in den Streik zu treten. Die Ursache ihrer Arbeitsverweigerung: die Musiker können nicht mehr schlafen. Der Lärmpegel im Schiff sei zu hoch, sagen sie, die Vibration störe ständig, und zudem habe man ihnen Kabinen direkt über der Air conditioning-Anlage zugewiesen. Auch über den Service führen die Künstler Beschwerde: die Stewards behandeln sie wie gewöhnliche Besatzungsmitglieder, aber nach den Verträgen haben sie Anspruch darauf, als Touristen zu gelten. Eine Schwierigkeit nur besteht: Der Streik würde nach dem bestehenden Seerecht als Meuterei gelten.

Im Geiste Kurt Tucholskys