Von Peter Wapnewski

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Dieses ist geschehen: Die FAZ brachte am 29. April einen Beitrag von Wanda von Baeyer-Katte, der „Erfahrungen und Überlegungen nach dem Heidelberger Theaterskandal“ lieferte (unter dem Titel: „Provokation – und was dann?“). Mit dem „Skandal“ ist die Reaktion auf Hans Neuenfels’ Inszenierung von Peter Tersons „Zicke-Zacke“ gemeint, deren Premiere jetzt etwas über zwei Monate zurückliegt. Die Zeitung vermerkt in ihrem Vorspruch, daß die Verfasserin Stadträtin der CDU in Heidelberg ist.

Einen Tag später äußern sich in der ZEIT (datiert vom 2. Mai) Hellmuth Karasek, Michael Buselmeier und Hans Neuenfels zum (etwa) gleichen Gegenstand.

Das zeitliche Zusammentreffen wird Zufall sein. Nicht zufällig aber ist der schroffe Unterschied in der Beurteilung dessen, was Stück und Regisseur leisteten und bewirkten.

Wanda von Baeyer-Katte: Es sei „in der Tat das sittliche, staatsbürgerliche und religiöse Empfinden von Theaterbesuchern verletzt“ worden.

Anders sieht es die Neue Linke. Für sie ist Neuenfels (so zitiert er es selber) „Handlanger eines unfreien Systems, der, um frei inszenieren zu dürfen, bereit ist, jeden Kompromiß einzugehen. Meine Provokationen sind harmlos. Es ist bezeichnend für meinen verbindlichen Regiestil, daß er jede Aggression augenblicks wieder zurücknimmt“. So also auch Buselmeier, und: Neuenfels sehe sich gezwungen, „Schocks zu liefern, die kaum noch schockieren, Tabus zu brechen, die längst keine mehr sind, und muß sich endlich über jede Oma freuen, die türenschlagend sein Theater verläßt“.