Eine Mark-Aufwertung hätte für die deutsche Landwirtschaft recht mißliche Folgen: Um die Einheitlichkeit der EWG-Erzeugerpreise zu wahren, müßten die deutschen Agrarpreise um den Prozentsatz gesenkt werden, um den die Mark gegenüber dem US-Dollar aufgewertet wird. Denn der Dollar dient als gemeinsame Rechnungseinheit für die EWG-Agrarpreise.

Nach den Angaben von Bundesfinanzminister Strauß erleidet die deutsche Landwirtschaft bei einem Aufwertungssatz zwischen 8 und 10 Prozent Einkommensverluste bis zu vier Milliarden Mark jährlich.

Weil sich die Bauern solch finanziellen Aderlaß nicht gefallen lassen werden, wird man sich für einen Ausgleich entscheiden müssen:

  • Die Landwirtschaft erhält einen Ausgleichsbetrag aus dem Bundeshaushalt. Der Steuerzahler hätte also in diesem Falle für die Verluste der Bauern zu zahlen; für den Verbraucher würden die Agrarerzeugnisse billiger werden.
  • Oder der Mehrwertsteuersatz von fünf Prozent, mit dem landwirtschaftliche Erzeugnisse belastet sind, wird auf elf Prozent und damit auf den Satz erhöht, der für gewerbliche Produkte gilt.

Auf den ersten Blick erscheint es widersinnig, daß eine höhere steuerliche Belastung zu Mehreinnahmen führen kann. Nach der Sonderregelung für die Landwirtschaft kann jeder Bauer aber pauschal fünf Prozent von seinen Verkaufserlösen als Vorsteuer abziehen. Dies hat zur Folge, daß er praktisch keine Mehrwertsteuer zahlt.

Seinen Abnehmern stellt er jedoch die Mehrwertsteuer von fünf Prozent in Rechnung. Im Einkaufspreis des Landhandels und im Verbraucherpreis für Lebensmittel sind der Nettopreis und die Mehrwertsteuer enthalten; so beträgt beispielsweise bei einem Nettopreis von 100 Mark zuzüglich der Mehrwertsteuer von 5 Mark der Endpreis 105 Mark.

Würden die Nettopreise gesenkt, so blieben die Einnahmen der Landwirtschaft unverändert, sofern die Mehrwertsteuer und der Vorsteuerabzug um den gleichen Satz heraufgesetzt würden – beispielsweise ergeben ein Nettopreis von 94 Mark zuzüglich 11 Mark Mehrwertsteuer einen Endpreis von 105 Mark.