Von Wolfram Siebeck

We call them bird’s-eye", sagt der Besuch aus England und zeigt auf die hunderttausend kleinen blauen Blumen auf unserer Wiese. "Der Anblick dieser Blumen muß für einen Maler doch etwas Wundervolles sein, nicht wahr?" Diese Frage gilt Frau Siebeck; denn Frau Siebeck ist Malerin. Sie läßt den englischen Besuch im unklaren darüber, ob der Anblick der hunderttausend kleinen blauen Blumen für sie etwas Wundervolles ist und deutet auf die Haustür: "Bitte, hier geht’s ’rein!"

Ein Eichelhäher streicht schimpfend ab und gibt so Anlaß zu dem Ausruf, wie inspirierend doch die Nachbarschaft dieser lustigen Vögel (jolly birds) für einen Künstler sein müsse.

Nun sind schimpfende Eichelhäher genauso inspirierend wie tieffliegende Starfighter, und ich weiß, was Frau Siebeck darüber denkt, auch wenn sie es jetzt nicht sagt.

"Wissen Sie, meine Mutter hat auch gemalt", verrät uns die Besucherin, als wir ins Haus gehen. "Aquarelle! Vor allem in Indien hat sie gemalt, und einmal hat sie eine Schlange mit dem Pinsel erschlagen!" Ich bemerke, wie inspirierend doch die Nachbarschaft von Schlangen für einen Künstler sein müsse.

Frau Siebeck zeigt auf die leeren Wände, deren einziger Schmuck viele krumme Nägel sind. "Bilder kann ich Ihnen leider nicht zeigen. Die sind alle in einer Ausstellung in Starnberg."

"Oh, ich liebe Ausstellungen! Auf einer Ausstellung von altem Porzellan im Victoria and Albert Museum entdeckte ich eine Zuckerdose, die einmal meiner Großmutter gehörte! Ist das nicht phantastisch? Eine Zuckerdose, aus der ich als Kind den Zucker nahm, stand da im Victoria and Albert Museum!"