Optimistischer als in den beiden letzten Jahren legte der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft auf seiner diesjährigen Hauptversammlung im Kurhaus von Wiesbaden die Spendenbilanz für das Jahr 1968 vor. Mit 32 Millionen Mark lag das Ergebnis um über 2,6 Millionen Mark höher als im Jahr 1967: Die Rezession, die sich auch auf das Mäzenatentum ausgewirkt hatte, ist überwunden.

Um die Spenden nicht zu zersplittern, hat der Stifterverband seine Mittel seit jeher global weitergegeben. Den Löwenanteil (70 v. H.) erhält die Deutsche Forschungsgemeinschaft, deren Präsident Julius Speer nie einen Zweifel daran ließ, daß das Geld der Stifter ihm das liebste ist. Es ist disponibler als Staatsgeld und gibt seiner Organisation eine der wenigen Möglichkeiten, akute Schwierigkeiten in der Forschung unkonventionell zu überwinden. Mit dieser Lösung waren die Stifter ihrerseits dem Problem enthoben, über die sachgerechte Verteilung ihrer Mittel im Einzelfall selbst zu entscheiden.

In den beiden letzten Jahren haben sich indessen die Indizien gemehrt, die einen Wandel in der Attitüde der Stifter andeuten. Offenbar genügen ihnen die Segenswünsche Julius Speers, einige vage Programme und statistische Ziffern nicht mehr als Äquivalent für ihre Leistung und vor allen Dingen auch nicht mehr als Anreiz für potentielle Stifter, um deren Werbung sie bemüht sind. Sie möchten etwas Konkretes sehen für ihr Geld und fordern "weniger Anonymität" und "mehr Transparenz". Daß auch sie sich der studentischen Schlagworte bedienen, ist jedoch eher ein ironischer Zufall. Fast entschuldigend versuchte Robert Ley, der stellvertretende Vorsitzende des Stifterverbandes, das Begehren der Stifter zu erklären: "Vor allem der Mann der Wirtschaft will wissen, was mit dem von ihm erarbeiteten und in die Wissenschaft investierten Beitrag geschieht, ob er für ihn, für die Gesamtwirtschaft und für das ganze Gemeinwesen wieder in Leistung umgesetzt wird."

Der Stifterverband muß sich deshalb schon um seiner Mitglieder willen jetzt bemühen, "die Mittelvergabe im einzelnen erkennbarer zu machen und durch das Angebot auch spezieller Vorhaben attraktiver zu gestalten". Ein erstes Beispiel wird die Finanzierung eines Neubaus für das kürzlich entstandene "Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik" sein, für das es nicht gelang, Landes- undBundesmittel zu erhalten. Dem raschen Handeln der Stifter ist es zu verdanken, daß die Wissenschaftler des Institutes, die, wie Robert Ley den Stiftern erklärte, in ihrer Disziplin im internationalen Wettbewerb an hervorragender Stelle liegen, nicht längst im Ausland arbeiten.

Eine Neuorientierung der Stifter und ihrer Politik ist in Gang. Der Lernprozeß ist aber noch nicht so weit fortgeschritten, daß sie zum Beispiel die größte Gruppe der von ihnen geförderten wissenschaftlichen Welt, die Studenten, deutlicher als aus allergrößter olympischer Distanz wahrnehmen würden.

Als sie am Vorabend ihres Festes in einem erlauchten Kreis von Wissenschaftlern über die Reform des Medizin-Studiums diskutierten, waren nur ein paar brave stumme Studenten-Fachschaftsvertreter anwesend. Draußen vor der Tür, von Polizisten bewacht, stand dagegen ein Dutzend Marburger Medizinstudenten, die auf eigene Kosten angereist waren, in der richtigen, aber naiven Annahme, daß das Stifter-Thema auch sie betrifft. Thorwald Riesler, der Generalsekretär des Stifterverbandes, widmete sich ihnen, um die Lage zu erklären. Resigniert, aber nicht unzutreffend erfaßte sie einer der Studenten so: "Ich verstehe – wenn wir da hineingehen und die feine Gesellschaft auffordern, mit uns zu diskutieren, kriegen Sie kein Geld mehr."

Nina Grunenberg