Deutschlands Ingenieurstudenten müssen ihre Protestparolen neu formulieren. Die EWG, bislang Zielscheibe ihrer Klagen, will ihnen mit neuen Plänen Berufsmöglichkeiten in allen EWG-Ländem, besonders in Italien und Frankreich, eröffnen.

Die Europakommission legt augenblicklich letzte Hand an einen Richtlinienentwurf für die Niederlassungsfreiheit der Ingenieure in der EWG. Danach werden nicht nur die Diplomingenieure in allen Ländern der Gemeinschaft voll anerkannt, sondern auch ihre Kollegen ohne Universitätsausbildung. Spätestens im Herbst soll sich der europäische Ministerrat mit diesem Projekt erstmals befassen.

Deutsche Fachschulingenieure sollen nach den Plänen unbehelligt in Italien oder Frankreich arbeiten und sich an Ausschreibungen von Regierungsaufträgen beteiligen oder sich in den EWG-Ländern selbständig machen dürfen.

Bisher beriefen sich die Studenten auf einen EWG-Entwurf von 1966, der Fachschulingenieure einfach als Techniker einstufte. Das hätte die Deutschen gegenüber ihren Kollegen diskriminiert. Dieser Entwurf ist jetzt in den Brüsseler Schubladen verschwunden;

Nach den neuen Plänen der Kommission soll die gesamte Gemeinschaft künftig drei große Gruppen von technischen Berufen kennen: Diplomingenieure mit einer Universitätsausbildung, Ingenieure (dazu gehören die deutschen Fachschulingenieure) und qualifizierte Techniker, Die Mitgliedstaaten, insbesondere Italien, aber auch Frankreich, müssen ihre Ausbildungssysteme umstellen.

Anders als in Deutschland gibt es in mehreren EWG-Ländern, vor allem in Italien und Frankreich, noch staatliche Vorschriften, die für bestimmte Arten von Aufträgen die Qualifikation als Diplomingenieure voraussetzen. Auch das ist nach Brüsseler Überzeugung unvereinbar mit der Niederlassungsfreiheit.

Allerdings wagt es die Kommission im ersten Anlauf noch nicht, die Staaten aufzufordern, diese Bestimmungen und damit die Erbhöfe der Diplomingenieure abzuschaffen. Auch nach der Harmonisierung der Ausbildungsgänge bleiben also der Betätigungsfreiheit vor allem deutscher Fachschulingenieure noch Grenzen gesetzt. hb