Zuerst machte jeder, was er wollte: "Verbotene Wege" wurden in England 1904 mit 18 Zoll breiten, runden, roten Scheiben gekennzeichnet, gefährliche Ecken, Kreuzwege oder abschüssige Stellen mit roten – innen offenen – Dreiecken. Die ersten deutschen Verkehrszeichen sollen in Schleswig-Holstein aufgestellt worden sein, etwa 1906: "Es empfiehlt sich, für diesen Zweck möglichst gleichmäßige und in die Augen fallende Vorrichtungen zu verwenden." Auf gelben Tafeln mit weißem Rand stand seinerzeit schwarz geschrieben: "Für Kraftwagen verboten" – "Kraftwagen Schritt" – "Kraftwagen Vorsicht".

Um die Jahrhundertwende waren Bemühungen des französischen Automobilklubs, zu international einheitlichen Zeichen zu kommen, erfolglos geblieben. 1910 kam dann doch ein internationales Abkommen zustande, in dem zum Beispiel einheitlich markiert wurden: "Querrinne", "Kurve", "Bahnübergang", "Kreuzung". Weitere Abkommen (und immer ging es um Vereinheitlichung) stammen aus den Jahren 1931 und 1949.

Aber noch vor zwei Jahren registrierte der ADAC über hundert im Ausland verwendete Verkehrszeichen, die deutschen Autofahrern vom heimischen Straßenrand her nicht vertraut sein konnten. Zwar steckt in diesen Abweichungen viel Belanglosigkeit und nur wenig Mißverständliches, doch wenn man daran denkt, daß es nichtnur um gleiche Zeichen, sondern auch um gleiche Verhaltensregeln geht, dann sieht man, daß Anlaß genug war, die geltenden internationalen Straßenverkehrsabkommen jetzt abermals zu revidieren.

Das geschah im Herbst vorigen Jahres in Wien auf der "Weltkonferenz über den Straßenverkehr". Reinen Tisch hat man dennoch nicht machen können. Das Bundesverkehrsministerium: "Eine völlige Vereinheitlichung des internationalen Straßenverkehrsrechtes ist weder auf dem Gebiet der Verhaltensvorschriften noch bei den Verkehrszeichen ... erreicht worden."

Abweichungen gibt es vor allem im amerikanischen Zeichensystem (etwa: quadratische und nicht, wie in Europa, dreieckige Warnzeichen), aber das wiederum wird immerhin einheitlich in Nord- und Südamerika benutzt, und das ist schließlich das Wichtige: Benachbarte Gebiete sollten gleiche Signale verwenden. In Bonn erklärt man daher auch: "Insgesamt ist das internationale Straßenverkehrsrecht jetzt so weit geklärt, daß einer europäischen Vereinheitlichung nichts mehr im Wege steht."

Dann müßte ja eigentlich bald einmal die neue Straßenverkehrsordnung (StVO) unter die Leute kommen. Schon im Mai 1957 wurde ihre "dringend nötige" Reform beschlossen! Sie ist bislang in mindestens sieben Entwürfen – stets schon in Europaform – erarbeitet worden. "Grundsätze über die Vereinheitlichung der Straßenverkehrsregeln im Rahmen der Europäischen Konferenz der Verkehrsminister wurden mehrmals veröffentlicht – aber immer noch lohnt es sich, bei Autofahrten ins Ausland nach den Regeln und Zeichen zu fragen, die dort anders sind.

Auch wenn es heißt: "In Europa ist, abgesehen von einigen Ausnahmen, ein mehr oder weniger vereinheitlichtes Verkehrszeichensystem schon in Kraft." Das stellt die OTA fest (Organisation Mondiale du Tourisme et de 1’Automobile); sie hat schon lange eine "Europäische Straßenverkehrsordnung" entworfen (1. und 2. Teil), die anscheinend der internationalen Verkehrsbürokratie ein bißchen auf die Sprünge helfen soll. Man sieht nicht recht, womit, denn wer unvoreingenommen im OTA-Text blättert und dann in den Wiener Texten, der sieht im wesentlichen gar keine Unterschiede. Die OTA-Ideen stammen allerdings aus der Zeit vor dem Wiener Kongreß, aber ob sie in Wien beachtet wurden, ist ohne nähere Belehrung nicht zu erkennen. Zielt das Vorwort der OTA-Broschüre auf behördlichen Eigensinn?: