Von Theodor Schulze

Prof. Dr. Theodor Schulze lehrt an der Pädagogischen Hochschule Flensburg Allgemeine Pädagogik und Politische Bildung.

Ein Kind im Babyalter, das ist ein kleines, empfindliches Wesen, das viel lernen muß. Eltern im Babyalter sind groß und empfindlich – anders natürlich: reizbar, bisweilen ratlos, bisweilen auch verzweifelt, häufig erstaunlich unwissend. Also auch sie müssen viel lernen.

Aber gerade dies ist durchaus nicht selbstverständlich. Im Zeitalter der Geburtenkontrolle werden Menschen beängstigend unvorbereitet zu Eltern. Vielleicht wollten sie ein Kind; vielleicht mußten sie sich auch erst mit der Vorstellung abfinden, die plötzlich nicht mehr zu umgehen war.

Trotzdem und in jedem Fall: Das Kind ist ein Geschenk Gottes! Und es wird schon irgendwie werden... Warum nicht? Bis jetzt ist jedes Kind, wenn es gesund blieb, groß geworden. Man kann das gar nicht aufhalten. Die eigenen Erfahrungen – schließlich war jeder mal Kind –, die Ratschläge der Großeltern, der Freundin, der Nachbarin zusammen mit einigem Vertrauen auf die Drogistenreklame – das wird schon bis zur Schule reichen, und dann machen es der Lehrer oder die Lehrerin.

Reicht es wirklich? Wenn man sich heute eine Waschmaschine anschafft, läßt man sich beraten. Und wenn ein Kind erwartet wird? Mag sein, daß die eigenen Erfahrungen und die guten Ratschläge einmal ausreichten. Aber es gibt einige, gute Gründe dafür, daß das heute nicht mehr zutrifft.

Erstens: Wir wissen mehr über biologische Vorgänge, über die Ursachen von Krankheiten, über die Zusammensetzung der Nahrung. Das hat die Säuglingssterblichkeit drastisch vermindert.