Ohne es groß anzukündigen, haben Westdeutschlands Rechtsschutzversicherer Anfang April ihr jüngstes Kind aus der Taufe gehoben: Eine Versicherung für Querelen aus Verträgen des täglichen Lebens. Ärger mit Lieferfirmen oder Handwerkern, mit Reisebüros oder säumigen Schuldnern braucht in Zukunft nicht mehr zu sein. Man nimmt sich einen Anwalt und zieht vor Gericht. Sowohl Anwalts- als auch Gerichtskosten übernimmt – bis zu 25 000 Mark pro Prozeß – die Versicherung.

Dr. Klaus Sperling vom Münchner DAS-Rechtsschutz: "Diese Versicherung hat einen eminent sozialen Zweck. Gerade die kleinen Leute haben Angst vor den Prozeßkosten und konnten dadurch oft um ihr gutes Recht." Immerhin scheint auch das gute Geschäft nicht zu kurz zu kommen. Seit Einführung der neuen Versicherung verzeichnet DAS eine Zunahme von Neuabschlüssen um 25 Prozent.

Dieser Rechtsschutz ist nicht allein abzuschließen. Er ist verpackt in andere Versicherungskombinationen. Mit Familienrechtsschutz zum Beispiel kostet er 60 Mark. Wesentlich teurer ist er für Firmen und Selbständige.

So ganz wohl ist den Versicherern trotz des Erfolges ihrer Aktion allerdings nicht: Das Ausmaß des Risikos ist nicht abzusehen.

Verträge mit Gewerbetreibenden werden zum Beispiel nur für ein Jahr abgeschlossen, um nicht zu stark in Bedrängnis zu geraten. Für notorische Streithähne unter der Kundschaft hat man sich ein Patentrezept ausgedacht: wer mehr als zwei Prozesse im Jahr anzettelt, dem droht die Kündigung.

Die Rechtsschützen haben allen Grund, vorsichtig zu sein. Eine französische und eine österreichische Versicherung, die sich vor 1939 mit ähnlichen Risiken befaßt hatten, hatten nach kurzer Zeit das Geschäft einstellen müssen. hh