Im letzten Jahr wurde zum erstenmal ein Buch mit unbekannten Hitlerbildern aus dem Nachlaß seines Leibphotographen Heinrich Hoffmann auf den Markt gebracht ("Gesichter eines Diktators", Christian Wegner Verlag, Hamburg; s. ZEIT Nr. 38/68). Der verlegerische Erfolg hat nun auch andere auf den Plan gerufen – bei zweieinhalb Millionen Hoffmann-Photos besteht kein Mangel an Stoff. Im Oldenburger Gerhard Stalling Verlag erschien soeben:

Henry Picker/Heinrich Hoffmann: "Hitlers Tischgespräche im Bild", hrsg. von Jochen von Lang; 224 Seiten Großformat, kart. 24,– DM, Ln. 28,– DM.

Dieser Bildband, wiederum betreut von dem stern-Redakteur von Lang, gliedert sich in zwei Teile: Zunächst werden Bilder aus den verschiedenen Führerhauptquartieren während des Krieges gezeigt, Aufnahmen, die seinerzeit als Geheime Reichssache behandelt wurden. Ihr dokumentarischer Wert rechtfertigt allein schon den Bildband; man lernt nicht nur die örtlichkeiten des "Feldherrn" kennen (im belgischen Dorfe Bruly de Pêche leitete die Wehrmachtführung den Frankreichfeldzug von einer Kirche aus!), sondern sieht zum erstenmal auch seine Adjutanten, Sekretärinnen, Kammerdiener und sonstigen Domestiken in Aktion.

Im zweiten Teil werden Zitate aus Hitlers Tischgesprächen in den Jahren 1941/42 illustriert. Bei der Bildauswahl wäre eine Aufteilung nach Themen zweckmäßiger und übersichtlicher gewesen als die chronologische Reihenfolge. Fragwürdig erscheint auch das Verfahren. Hitler-Zitate unkommentiert abzudrucken; nur wenige Käufer können auf Anhieb erkennen, ob etwa Hitlers Schilderung des Reichstagsbrandes oder der Besetzung Prags den Tatsachen entspricht. Dennoch kann der kritische Betrachter aus diesem Bilderbuch manches über die Natur des Dritten Reiches und seiner Kreaturen erfahren. Es gibt Photos darunter, die man so leicht nicht wieder vergißt: Hitler, einem Obristen Befehle diktierend, während seine Paladine ehrfürchtig lauschend herumstehen, oder auch: Schacht und Papen, die Hand zum Deutschen Gruß erhoben ... kj.

Weitere Bücher über Hitler siehe Seite 44