Wirtschaft

Ben izinkrieg: Scharmützel verloren

Die Deutsche Shell — in offener Feldschlacht gegen die freien Tankstellen erfolgreich — hat in Scharmützeln mit den eigenen Stationären eine Schlappe erlitten.

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DIE ZEIT

Statt Aufwertung jetzt Inflation?

Wie lange dauert in Bonn die Ewigkeit? Diese Frage stellen sich Devisenhändler und Exportkaufleute, Politiker und Spekulanten in aller Welt, seit am Freitag vergangener Woche Regierungssprecher Conrad Ahlers versichert hat, der Beschluß, die Mark nicht aufzuwerten, gelte "auf ewig".

Vertriebener

Den Nürnberger SPD-Parteitag im März 1968 verließ er mit Aplomb, weil Willy Brandt von einer "Anerkennung beziehungsweise Respektierung" der Oder-Neiße-Linie gesprochen hatte.

Wie lange noch?

In ihrer Londoner Entschließung zur griechischen Frage haben sich die Minister des demokratischen Europas abermals aufs Abwarten verlegt.

Ende der Hallstein-Zeit?

Nach dem Irak hat nun auch Kambodscha diplomatische Beziehungen zu Ostberlin aufgenommen. Die Bundesregierung, vollauf beschäftigt mit der Aufwertungskrise, reagierte zögernd und unklar.

Geistige Waffen

Das Bundesverfassungsgericht hat jetzt das "Blinkfüer"-Urteil des Bundesgerichtshofes von 1963 aufgehoben, das Axel Springer zubilligte, er könne diejenigen Zeitungen boykottieren, welche die DDR-Funk- und Fernsehprogramme veröffentlichten.

ZEITSPIEGEL

Die antikommunistische Diktatur Haitis hängte sich ein gesetzliches Mäntelchen bei der Verfolgung politisch Unbequemer um. Das Scheinparlament in Port-au-Prince stimmte einem Gesetz gegen "kommunistische Tätigkeit" und Verbreitung "kommunistischer Ideen" zu.

Außenseiter in der Villa Hammerschmidt

Einen gescheiterten Medizinstudenten hatte man ihn genannt. Das war 1963, als er – 41 Jahre alt – vom Regierenden Bürgermeister Brandt zum Chef der Senatskanzlei berufen wurde.

Der moderne Rüstungs-Moloch

Für den amerikanischen SDS ist David Packard die Verkörperung des military-industrial complex, jener Verfilzung von Militär und Geschäftswelt, die auch gemäßigten Amerikanern wie Senatoren um Fulbright immer mehr Kopfzerbrechen bereitet.

In Amerika Hungern Millionen

Seit Wochen hält ein amerikanischer Senatsausschuß mit dem demokratischen Senator George McGovern und seinem republikanischen Kollegen Jacob Javits – den unbestechlichsten Wortführern sozialpolitischer Vernunft – im Zuge eines langen Hearings Lokaltermine in allen Landesteilen Amerikas ab, um sich endlich ein klares Bild über Hunger und Unterernährung in der "Nation des Überflusses" zu machen.

Die SPD ist verstört

Der Streit um die Aufwertung der D-Mark hat die Große Koalition in Bonn an den Rand der Handlungsunfähigkeit gebracht. Es gibt nur noch eine Minimalsolidarität, die ausreicht, den offenen Bruch zu vermeiden und längst präparierte Beschlüsse, zum Beispiel die Modernisierung des Strafrechts, über die parlamentarischen Hürden zu heben, aber die Solidarität in der Aktion besteht nicht mehr; die Koalitionsdisziplin ist brüchig geworden.

Droht ein heißer Sommer?

Die politischen Architekten der Hochschulreform sind zu jedermanns Prügelknaben geworden, alle Welt verlangt, den Muff von tausend Jahren auszulüften, aber legt eine Landesregierung Reformentwürfe vor, kann sie sicher sein, auch von aller Welt gescholten zu werden.

Ohne Glanz und Gloria

Es war am Killesberg, im Monat Mai: Adolf von Thadden war auch dabei. Aber der Mann, der mit dem "Bundeswahlkongreß" seiner Nationaldemokratischen Partei Deutschlands zum Sturmlauf gegen die Festung Bonn ansetzen wollte, ermangelte der Pose des strahlenden Führers.

Reform der Paragraphen

Eine "Jahrhundert-Debatte" war es nicht. Die Experten führten das Wort, ab im Bundestag über die Strafrechtsreform verhandelt wurde, und die Laien hörten zu, falls sie es überhaupt für nötig erachteten, die Diskussion zu verfolgen.

Die zehn Punkte des Vietcong

Prinz Sihanuk, der wetterwendische Staatschef von Kambodscha, machte Schlagzeilen, als er vorige Woche die DDR voll anerkannte.

Stimmen aus Südvietnam

Nur dreißig Kilometer lang ist die zur Zeit wichtigste Autostraße Südvietnams. Sie verbindet Saigon mit Bien Hoa, dem größten amerikanischen Militärflugplatz im Land.

Poher contra Pompidou

Der Wahlkampf um de Gaulles Nachfolge hat offiziell begonnen. Alle Meinungsumfragen lassen den Wahlkampf von Anfang an als ein Rennen zwischen Pompidou und Poher erscheinen, bei dem der gaullistische Kandidat mit Sicherheit als erster in die zweite Runde geht.

Husáks Balance-Akt

Es waren ein gelassener, selbstsicherer Parteichef Husák und ein fast heiterer, erleichtert wirkender Parlamentspräsident Dubček, die sich – so schildern es westliche Beobachter – am 8.

Mysteriöses Generalssterben

Die sowjetische Armee-Zeitung "Roter Stern" hat innerhalb von drei Wochen den Tod von zwölf sowjetischen Generälen gemeldet.

Wahlkampf per Telefon

Der Wahlkampf hat jetzt für uns angefangen", Professor Ulrich Klug und seine junge Crew lassen im Rektorat der Kölner Universität alle gewichtige Funktionswürde vermissend Sie gleichen eher einem Team, das mit der Vorbereitung eines Happenings beschäftigt ist – voller Elan und guter Laune.

Prügel für Reformer

In den drei traditionellen Parteien des Mainzer Landtags – CDU, SPD und FDP – macht sich in diesen Wochen Unbehagen breit. Nachdem Kabinett und Parlament gegen die Stimmen der NPD die dringend notwendige Verwaltungsreform für Rheinland-Pfalz zu einem großen Teil durchgeboxt haben, fürchten nun Christen, der Provinz und Liberale, daß die Wähler in der Provinz bei der Kommunalwahl am 8.

Brief vom kleinen Mann

Der Fall Gerstenmaier hatte in Bonn ein tragikomisches Nachspiel. Der Petitionsausschuß im Bonner Bundestag konstatiert seit den Januartagen "einen sprunghaften Anstieg" von Schreiben, die Entschädigungs- und Wiedergutmachungsansprüche zum Inhalt haben.

"Raus Klainer Röhl"

Am Mittwoch vergangener Woche kamen aus Berlin und Frankfurt einige APO-Trupps nach, Hamburg angereist, um zusammen mit einheimischen Genossen die Redaktions- und Verlagsräume der Zeitschrift "konkret" zu besetzen.

Prinz Sihanuk erkennt Ulbricht an

Zum zweitenmal in vierzehn Tagen ist es Ostberlin gelungen, die völkerrechtliche Anerkennung der DDR auch außerhalb des engeren kommunistischen Machtbereichs durchzusetzen.

Dokumente der ZEIT

Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 forderte Axel Springer alle Zeitungs- und Zeitschriftenhändler unter Androhung des Abbruchs der Geschäftsbeziehungen auf, den Vertrieb von Zeitungen einzustellen, die weiterhin die Radio- und Fernsehprogramme der DDR abdruckten.

NLF-Plan für Frieden in Vietnam

Obwohl die Kampftätigkeit in Vietnam bei Wochenbeginn wieder stärker aufflammte – 159 US-Stützpunkte wurden am Montag mit Raketen und Mörsern überfallen, über Saigon rollte eine neue Terrorwelle hinweg –, hat auch die Suche nach einer Lösung des Konflikts neue Impulse erhalten.

Bonn schafft Zuchthaus ab

In einer Parlamentsdebatte, die voreilig zur "Jahrhundertdebatte" erklärt worden war, verabschiedete der Bundestag vorige Woche den ersten Teil der seit sechs Jahren vorbereiteten Strafrechtsreform.

Poher gegen Pompidou

Auch nach dem Rücktritt de Gaulles wird sich an der Europa-Politik der Gaullisten vorerst nichts ändern: Auf dem Treffen der EWG-Außenminister in Luxemburg erklärte der französische Premierminister Debré bei Wochenbeginn, seine Regierung werde von ihrer bisherigen Haltung nicht abgeben.

Kein Kompromiß mit Wilson

Ohne Ergebnis ist am Montagabend eine Aussprache zwischen der Labour-Regierung und der britischen Gewerkschaftsführung verlaufen.

Protest als Ware

Als ich vor fast zwei Wochen einen offenen Brief des jungen Linksliteraten Bernhard Vesper an den Filmregisseur Klaus Lemke las (wir sollten ihn veröffentlichen), dachte ich: was geht das die ZEIT an und ihre Leser, wenn die jungen Anarchisten sich gegenseitig abschießen wollen? So ist das ja nun einmal in der Anarchie: daß sie nicht nur von den Zwängen verkrusteter Gesellschaftsordnungen befreit (dann wäre es für einen liberalen Intellektuellen leicht, sie zu lieben), sondern daß sie auch dem gegenseitigen Abschießen, einst Freund nun Feind, heute rot morgen tot, nichts entgegenzusetzen hat.

Selbstbewußte Assistenten

Wenn immer in einem Zeitungsartikel einer Berufsgruppe scheinbar oder auch wirklich zu nahe getreten wird, dann geschieht, was schon geschah, als Erich Kästner noch Zeitungen redigierte.

Wie einst die Gruppe 47

Bereits zum siebten Mai hat der rührige, freie, temperamentvolle, dabei mit der Pressestelle des DGB verbundene Journalist Dieter Schmidt seine "Literarischen Werkstattgespräche" stattfinden lassen.

Das Fest der Mäzene

Optimistischer als in den beiden letzten Jahren legte der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft auf seiner diesjährigen Hauptversammlung im Kurhaus von Wiesbaden die Spendenbilanz für das Jahr 1968 vor.

FILMTIPS

"Zwei Freundinnen", von Claude Chabrol. Eine tragische Farce – auf solche Mischungen versteht sich Chabrol. Eine Dreiecksgeschichte in elegantestem Pariser und Riviera-Milieu.

Wer im Wohlstand lebt...

Solschenizyns Romane werden in der Bundesrepublik gedruckt und erreichen hohe Auflagezahlen, Pasternaks "Doktor Schiwago" zählte zu den Bestsellern, Bulgakows "Hundeherz" erschien vor kurzem in deutscher Sprache – damit nannte ich meinen russischen Gesprächspartnern einige Werke russischer Schriftsteller, die zur Zeit in der Bundesrepublik gelesen werden.

Kunstlidl

Die "Lidl"-Akademie, Düsseldorf, hatte gebeten. Zu einer Arbeitswoche vom 5. bis 10. Mai, auf der die Funktion der Kunsthochschulen, die Funktion der Kunstpädagogik und die Funktion der künstlerischen Arbeiten diskutiert werden sollten.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Über lange Strecken hat man den Eindruck, jemand drehe gegen Mitternacht den gesamten Kurz Wellenbereich seines Radios durch: Jede Station sendet ihre Nationalhymne, jede ist nur in Fragmenten zu hören, Morsezeichen, Rauschen und Pfeiftöne unterbrechen ständig.

ZEITMOSAIK

Jede Idee wird Wirklichkeit in den schmutzigen Fluten des Lebens; und diese Wirklichkeit kann um so schlimmer sein, je mehr man auf Reinheit der Idee besteht; um so schmutziger, je mehr die Führer das Schicksal der Idee mit ihrem eigenen identifizieren.

Allgemeine Lustlosigkeit

Seit Samuel Becketts "Warten auf Godot" über die Bühnen ging, ist sich auch eine breitere Öffentlichkeit des ratlosen Zustandes bewußt geworden, daß es so etwas wie eine "Aktion im Leeren" gibt, die nicht mehr recht weiß, warum und wozu.

Aus zwei mach eins

Was immer die Ruhrfestspiele waren, sind oder als umstrittene Gesamtkonzeption noch werden könnten, in einem Anspruch sind sie in dreiundzwanzig Jahren gleichgeblieben: Die Eigeninszenierungen wollen zu den Spitzenleistungen deutschen Theaters gezählt werden.

Kunstkalender

Seit den frühen dreißiger Jahren gehört Leonor Fini zum Kerntrupp der Pariser Surrealisten, trotz internationaler Zelebrität hat sie erst jetzt bei Brackstedt ihre erste Ausstellung in Deutschland.

Nicht auslesen – fördern

Jeder Kultusminister, der auf das Prädikat "progressiv" wert legt, hat seit Jahren das Projekt der Gesamtschule im Reisegepäck und versäumt keine Gelegenheit, ihm einige wohlwollende Worte zu widmen.

Wer finanziert die heilige Johanna?

Dieser rührende Idealismus geistiger Tauschwirtschaft ist zwar wirklich interessant dadurch, daß ausgerechnet ein Zöllner Hebammenfunktion für große Literatur bekommt in beziehungsreicher und listiger Anspielung auf die biblische Vergleichung von Zöllner und Pharisäer und als Hinweis auf die ökonomischen Bedingungen der Produktion und Verbreitung von Literatur; nichtsdestotrotz kann man heute davon ausgehen, daß die zwecks Amortisation Futter verlangende Druckmaschine den Autoren eher Massenkonsumware abverlangt denn Weisheit und daß im gleichen Maße die zerfurchte Stirn des nur noch leise fluchenden Brechtschen Zöllners sich in das glatte und wohlgenährte Gesicht des Kapital einsetzenden und ansammelnden Verlegers, der als Marke seiner Produktion fungiert, verwandelt hat.

Das Radikale schlechthin

zweifellos im richtigen Moment das rechte Wort. In einer total verplanten Gesellschaft spricht das Radikale viele Gemüter an, weil es so etwas wie Aktionsfreiheit zu verheißen scheint.

KRITIK IN KÜRZE

"Zum Selbstverständnis des Nouveau Roman – Plädoyer für eine neue Literatur", herausgegeben von Kurt Neff. Der Nouveau Roman in der Theorie seiner berühmtesten Autoren: Nathalie Sarraute, Alain Robbe-Grillet, Michel Butor – das ist Inhalt der hier nach deutschen Ausgaben ausgewählten elf essayistischen oder manifestartigen Schriften dieser drei, in denen sich gemeinsame Thesen einer "Schule", aber nicht minder ihre persönlichen und künstlerischen Unterschiede ausdrücken.

Instinkt – eine Leerformel

Es gibt nichts Verführerischeres als einfache Erklärungen. Vielleicht ist die Verhaltensforschung vor allem darum in den letzten Jahren so populär geworden, weil sie Schlüssel zu liefern scheint, die in viele Schlösser passen.

Spaß beiseite

Wie soll man jemandem begreiflich machen, wann und warum etwas lustig war und Spaß gemacht hat, und erst, was noch viel verzwickter ist, daß nichts, aber auch gar nichts davon der Fall war? Wie funktioniert das, wenn jemand die Lust verliert, wenn einem der Spaß vergeht? Man müßte wissen, was da so alles passiert, draußen und drinnen, zwischen dem, was einer sieht und liest, und dem, was einer an Humor selber in den Adern hat und was sich dann versteckt in solchen Sätzen äußert wie: das war doch richtig komisch, oder: da kann ich aber gar nicht lachen.

Engel ohne Feuer

Wenn der Zuschauer das Theater betritt, ist der Vorhang bereits geöffnet. Auf der Bühne vor kupferfarbenem Hintergrund ein ebenfalls kupferfarbenes kastenförmiges Gebilde, ein Mittelding aus Spitzgiebelhaus und überdimensionalem Reliquienschrein.

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