Ohne Ergebnis ist am Montagabend eine Aussprache zwischen der Labour-Regierung und der britischen Gewerkschaftsführung verlaufen. Auf der Tagesordnung stand die heftig umstrittene Anti-Streik-Gesetzgebung der Regierung.

An dem zweieinhalbstündigen Gespräch in Londons No. 10 Downing Street nahmen nebenPremierminister Wilson die für das zuständige Ressortministerin Barbara Castle und die 40 Mitglieder des Generalrates der Gewerkschaften (TUC) teil. Beide Seiten beharrten auf ihren konträren Standpunkten, ließen sich jedoch Möglichkeiten für einen Kompromiß offen.

Die Gewerkschaften, von Wilson zur Entspannung der Konfrontation um Gegenvorschläge gebeten, legten ein 30 Seiten starkes Dokument vor, das ihnen die eigenständige Eindämmung von Arbeitsausständen vorbehält. Dagegen beharrten die Regierungsvertreter auf staatlichen Geldbußen für wilde Streiks und auf einer staatlich verordneten Abkühlungsphase von 28 Tagen vor Beginn von Arbeitskämpfen. Wilson und Mrs. Castle bezeichneten den TUC-Plan im allgemeinen als nicht funktionsfähig, sagten jedoch zu, ihn Punkt für Punkt zu widerlegen.

Mit diesem Treffen schlug in dem zähen Ringen zwischen Gewerkschaftsführung und Regierung der Gong zur letzten Runde. Inzwischen schmolz der Rückhalt für Wilson weiter zusammen. Zweimal warnte der Fraktionsvorsitzende der Labour-Party im Unterhaus, Houghton, die Regierung davor, den Streik-Streit mit den Gewerkschaften zum Schaden der Labour-Einheit zu übertreiben. Auf einer gemeinsamen Sitzung von Regierung und nationaler Labour-Führung beharrten zwei Drittel der Parteibosse auf ihrer bereits früher bekundeten Opposition gegen die Strafklauseln. Auch Innenminister Callaghan, den viele Beobachter in London für den potentiell gefährlichsten Widersacher Wilsons halten, machte wieder gegen den Premier Front.

Bei den Gemeinde- und Distriktswahlen nahmen die Konservativen der Regierungspartei zudem 950 (von insgesamt 23 750) Sitze ab – eine weitere Demonstration des Wählers gegen Wilson. Der Premier hielt sich noch am Wochenende bereit, die Vorschläge der Gewerkschaften "auch über die slfte Stunde hinaus anzuhören". Wenn er freilich bis zur Sonderkonferenz der Gewerkschaften am 5. Juni keinen befriedigenden Kompromiß zustande gebracht hat, könnte seine zwölfte Stunde schnell geschlagen haben.