Hamburg Bis Ende Mai, Galerie Brackstedt: "Leonor Fini"

Seit den frühen dreißiger Jahren gehört Leonor Fini zum Kerntrupp der Pariser Surrealisten, trotz internationaler Zelebrität hat sie erst jetzt bei Brackstedt ihre erste Ausstellung in Deutschland. Wie Delvaux liebt und malt sie die jungen Mädchen, bei kosmetischer oder mondäner Betätigung, in der Badewanne oder im Nachtzug, Nymphen im Wald, an der Quelle, eine teils süße, teils giftige Malerei, so süß, daß jeder Kitschier vor Neid erblassen würde, und so lasterhaft, daß Genet ihr enthusiastisch applaudiert. Arsenik und Spitzenhöschen. In den neueren Bildern, von 66 und 67, wird die Kitschkomponente durch Pop-Realismus neutralisiert. Im Spiegel hinter dem zuckersüßen Mädchen in der Badewanne erscheint der Supermann, der sich die Zähne putzt.

München Bis Ende Mai, Galerie Buchholz: "Angel Luque"

Wie Soto kommt Luque aus Venezuela und arbeitet in Paris. Skulpturen aus Plexiglas, systematische Untersuchungen über optische und räumliche Qualitäten des Würfels, eine Fortführung des historischen Konstruktivismus auf nüchtern physikalischer Basis, keine Hommage an Quadrat oder Kubus. Wie verändert sich ein durchsichtiger Körper durch Diagonalschnitte, durch Trennung und Auseinanderrücken der Teilblöcke, das ist die Frage. Verzerrungen, Licht- und Schattenzonen werden aus verschiedenen Blickwinkeln wahrnehmbar, das Volumen wird zu einer irrealen Größe, optische Tatbestände werden zu ästhetischen Phänomenen deklariert. Diese Würfelobjekte mit ihrer’begrenzten und genau nachprüfbaren Thematik sind besser als das meiste, was in Nürnberg als aktuelle konstruktive Kunst präsentiert wurde.

München Am 22. und 23. Mai, Karl Faber: "Alte und Neue Meister"

Besonders reich und interessant auf der 118. Auktion ist das 19. Jahrhundert vertreten, von Andreas Achenbach bis Zorn und Zügel. Man findet einen "Koranschänder" von Spitzweg (für 25 000 Mark) und eine kleine Farbstudie der "Liebeserklärung" (die auf nur 1500 Mark geschätzt ist), Landschaften von Blechen und Rottmann, Zeichnungen und Aquarelle von Kobell, 7 Blätter von Wilhelm Busch mit Zeichnungen und Text aus der "Haarbeutel"-Serie (für 12 500 Mark), eine "Danae" von Franz Stuck im besten Münchner Jugendstil. Unter den 650 Katalognummern des 20. Jahrhunderts Zeichnungen von Klimt und von Bellmer ("Das frankierte Mädchen", Schätzpreis 4000 Mark), 30 Blätter und Zyklen von Chagall sowie ein seltenes und wichtiges Dada-Dokument: die 1941 in New York edierte Marcel-Duchamp-Kassette für 10 000 Mark. In der Abteilung Alte Meister viele italienische Handzeichnungen sowie Graphik von Dürer, mit der kompletten Kleinen Holzschnittpassion, und Rembrandt, das Spitzenblatt unter den 27 Radierungen, "La petite Tombe", ist mit 36 000 Mark angesetzt.

Weiterhin im Programm: