ZDF, Sonntag, 11. Mai: "Bericht aus Bonn – Die Frau in der Verfassungswirklichkeit"

Und zum Muttertag ein bißchen Frauen-Thema. Frau Fides Krause-Brewer, die die Sendung mit angemessenem Ernst moderierte, zeigt sich kalendarisch auf dem laufenden. "Die Frau in der Verfassungswirklichkeit", zu deutsch: wie hält es die bundesrepublikanische Gesellschaft mit dem Artikel 6 der Verfassung, was gibt es Neues von der guten alten Gleichberechtigungs-Front?

Justizminister Ehmke fand, daß "im großen und ganzen die Gleichberechtigung durchgeführt sei", will aber seine ministeriellen Energien doch noch der Durchführung des Ausländer-Rechts (das deutsch-ausländische Ehen betrifft) und des Namens-Rechts (das den Mädchennamen der Frau auch als Familiennamen zuläßt) zur Verfügung stellen. "Ich interessiere mich überhaupt nicht dafür", sagte ein Mädchen auf der Straße. Beim Studium benachteiligt fühlte sich eine Jurastudentin. Eine Schautafel zeigte, daß von 1000 befragten berufstätigen Frauen nur 27 Prozent ihren Beruf als für sich und die Gesellschaft wichtig ansehen. Frau Brauksiepe, Familienminister, fand es bedenklich, daß seit 1965 das Kindergeld stagniert, und will sich außerdem für eine Hausfrauenrente einsetzen. Frau Funke, Bundestagsabgeordnete, erklärte sich die mangelnde Aktivität der Frau in der Politik mit weiblicher Furcht vor der Auseinandersetzung.

So viel vom Muttertag. Vater konnte sich den nächsten Klaren eingießen, und Frau Krause-Brewer resümierte: "Der Gesetzgeber hat seine Pflicht getan, und nun müssen die Frauen ihre Rechte durchsetzen, auch wenn’s manchmal schwerfällt."

Die wohlbekannte Situation also, Heerscharen von Soziologen mästen sich seit Jahr und Tag daran.

Nur, daß eben diese gute alte Misere ja auch nicht mehr ist, was sie einmal war, daß zur Verfassungswirklichkeit unseligerweise nicht nur künftige Juristinnen, sondern auch Gudrun Ensslin, nicht nur Hausfrauen mit Rentenenthusiasmus, sondern auch APO-Ehefrauen, nicht nur berufstätige Mütter, sondern auch immer wieder noch die unehelichen Mütter gehören.

Aber der Teil der Sendung, unter besonderer Berücksichtigung des letzten Punktes vielleicht, kommt dann wohl am Vatertag. P. K.