Als ich vor fast zwei Wochen einen offenen Brief des jungen Linksliteraten Bernhard Vesper an den Filmregisseur Klaus Lemke las (wir sollten ihn veröffentlichen), dachte ich: was geht das die ZEIT an und ihre Leser, wenn die jungen Anarchisten sich gegenseitig abschießen wollen? So ist das ja nun einmal in der Anarchie: daß sie nicht nur von den Zwängen verkrusteter Gesellschaftsordnungen befreit (dann wäre es für einen liberalen Intellektuellen leicht, sie zu lieben), sondern daß sie auch dem gegenseitigen Abschießen, einst Freund nun Feind, heute rot morgen tot, nichts entgegenzusetzen hat.

Bernhard Vesper sagte sich und die Seinen in dem offenen Brief los von Leuten wie Klaus Lemke, die aus dem Protest der Jugend persönliches Prestige und klingende Münze schlagen wollen.

Darin liegt ein Dilemma. Filmemacher müssen Filme machen, Zeitungsmacher müssen Zeitungen machen, Dokumentationsliteraten müssen dokumentieren, Journalisten müssen berichten und kommentieren. Das ist ihr Beruf, und von Berufe wegen sind sie dem Aktuellen verpflichtet.

Der Protest der Jugend ist aktuell, seit langem schon, und wird es noch lange bleiben. Wer ihn filmt, dokumentiert, darüber schreibt, bezieht ihn, ob er nun will oder nicht, ein in das kapitalistische Gesetz von Angebot und Nachfrage, integriert ihn in die kapitalistische Ordnung; macht den Protest zur Ware, die zu verkaufen sein Geschäft ist.

Also bliebe es uns Alten vorbehalten, in den Publikationsmedien den Protest der Jugend zu reflektieren? Uns kann man ja wenigstens nicht vorwerfen, wir schlügen aus unserer heiligen Sache schnöden Mammon: Es ist unsere Sache nicht, schon aus rein biologischen Gründen nicht.

Das nun wieder kann auch nicht im Interesse der Stürmer und Dränger liegen, daß sie nur von abgetakelten Klassikern reflektiert werden, die doch alle ein falsches Bewußtsein haben und immer nur manipulieren.

Lemke und die Brandstifter