Von Helmut Salzinger

Hamburg

Am Mittwoch vergangener Woche kamen aus Berlin und Frankfurt einige APO-Trupps nach, Hamburg angereist, um zusammen mit einheimischen Genossen die Redaktions- und Verlagsräume der Zeitschrift "konkret" zu besetzen. In einem mitgebrachten Flugblatt forderten sie den Rücktritt des Haupteigentümers Klaus Rainer Röhl von seinem Posten als Chefredakteur: "Wir fordern die Übergabe der Zeitung an ein Redakteurskollektiv, das wir einsetzen werden! ...Wir fordern Einsicht in die Bücher und Mitbestimmung bei der Verwendung der Profite durch das Redaktionskollektiv! ... Ein Redaktionsrat zur Abwicklung der Übergabe an uns wird von uns bestimmt werden, sobald Röhl seinen Rücktritt erklärt hat. So lange verweigern wir die Mitarbeit an dieser Zeitung."

Die Aktion lief unter dem Slogan "Raus Kleiner Röhl". Mutter des Unternehmens war die langjährige "konkret"-Kolumnistin Ulrike Marie Meinhof, die erst vor kurzem in einem in der "Frankfurter Rundschau" erschienenen Artikel bekanntgegeben hatte, sie stelle ihre Mitarbeit bei "konkret" ein und gebe den Kampf um diese Zeitschrift auf.

Anstatt jedoch dieses Versprechen zu halten, versuchte sie einen Autorenboykott zu organisieren, und als dies mißlang, rief sie dazu auf, den Kampf "auf einer anderen Ebene, mit anderen Mitteln" weiterzuführen. Die Besetzung der Redaktion war für Mittwoch, den 7. Mai, pünktlich 11 Uhr, geplant. Ab halb elf begannen sich am Gänsemarkt die Besatzer zu sammeln, zwischen fünfzig und hundert. Ein Revolutionär ließ sich sehen, der trug eine Aktentasche, aus der aggressiv und phallisch der Stiel einer Axt ragte. Zwei Minuten vor elf betraten mehrere Polizisten das Haus Gerhofstraße 40, das Redaktion und Verlag von "konkret" beherbergen, und bezogen Posten am Eingang. Damit war die Aktion "Raus Klainer Röhl" fürs erste gescheitert.

Aber noch war nicht aller Tage Abend. Natürlich hieß es, daß Röhl die Polizei gerufen habe, und so sannen die frustrierten Genossen auf ein neues Objekt für die mitgebrachte Axt. Sie zogen ab. Ihr neues Ziel blieb der Polizei unbekannt. Die Beamten in Zivil, die sich unter die Revolutionäre mischten, hatten für das, was sie für Unauffälligkeit hielten, bloß Gelächter geerntet.

Als ich gegen 13 Uhr auf der Ferdinandshöhe in Blankenese eintraf, hatten die Genossen ihre Frustration an Röhls Privathaus bereits augenfällig gemacht. In Abwesenheit des Hausherrn hatten sie das ins Werk gesetzt, was Hans-Jürgen Krahl später in Anwendung eines neuen Wortes von Habermas "begrenzten Vandalismus" genannt hat und was in der Presse dann "Verwüstung" hieß: Die Hausfronten waren mit etwas blauer Farbe verziert worden, im Garten lagen ein zerschlagener Stuhl und ein Tischfußballspiel mit abgebrochenem Bein. Drinnen waren die Telephonanschlüsse aus der Wand gerissen worden, im Bad hatte man einiges Gläserne zerschlagen. Das Gerücht, Frau und Kinder des Mitinhabers und Verlagsleiters von "konkret", Klaus Steffen, seien entführt worden, bewahrheitete sich nicht.