Die exklusiven "Großen Wagen". – In dieser Reihe stellen wir heute einen schnellen Italiener vor: Iso Rivolta Fidia aus Bresso bei Mailand. Die Reihe wird in loser Folge weiter fortgesetzt.

Er drückte mit einem Gewicht von 1650 Kilo auf den feinen Perserteppich. Er tat mir leid, nicht der Perser, sondern der so dynamisch und exklusiv wirkende Iso Rivolta Fidia im Verkaufsraum des Iso-Importeurs Auto-Becker in Düsseldorf. Alles, was das Auto brauchte, war ein Stück schnelle Straße.

Die vier schnellsten Sessel der Welt nennt ihn selbstbewußt sein Hersteller, die Firma Iso in Bresso unweit Mailand, jenes Unternehmen, das einst an BMW eine Lizenz zum Nachbau der Fahrkabine Isetta vergab, Kühlschränke herstellte, um dann in das Geschäft einzusteigen, das – zu Recht – als Abenteuer bezeichnet wird: die Herstellung von Automobilen.

Aber die Methode von Iso, Autos zu produzieren, erwies sich als so gut, daß man sie auch anderen und wesentlich größeren Autofabriken ans Herz legen möchte: bei erfahrenen und renommierten Firmen die jeweils am besten geeigneten Einzelteile einzukaufen, um sie dann zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzufügen. Man erspart sich damit teure und langwierige Entwicklungsarbeit und Versuchsfahrerei.

Beim Iso Rivolta Fidia entdeckt man einen 5,4-Liter-Achtzylinder von General Motors, wie er für die Chevrolet Corvette verwendet wird, runde 300 amerikanische PS leistend, was etwa 260 DIN-PS entspricht; ferner ein Schaltgetriebe von Borg Warner, ebenfalls aus den USA; ein Differential von Salisbury aus England; von der britischen Insel stammen auch die vier Girling-Scheibenbremsen und wichtige Teile der Radaufhängung, die mit denen von Jaguar identisch sind. Das Fahrwerk gehört mit seiner aufwendigen Hinterachse (De-Dion-Prinzip, wie jetzt bei den großen Opel-Modellen) zu den anspruchsvollsten Konstruktionen, die es derzeit gibt. Auch Deutschland wurde für dieses Auto bemüht: Von Teves, Frankfurt, stammt der Bremsverstärker.

Die Karosserie ist auch eingekauft, sie kommt von Ghia in Turin. Und der Iso hatte kaum den Perserteppich verlassen, da reckten die Düsseldorfer schon die Hälse. Die großen Fensterflächen zu beiden Seiten in Verbindung mit einem Sportwagenrumpf sind aufsehenerregend, sind tatsächlich etwas Neuartiges und verraten außerdem in diesem Entwurf viel Eigenwilligkeit.

Die großzügig bemessenen. Fensterscheiben haben freilich ihren Sinn: Dieser Iso ist der interessante Versuch, den Innenraum einer Limousine – vier bis fünf vollwertige Plätze mit ausreichender Beinfreiheit – mit dem Gewand und den Fahrleistungen eines echten Sportwagens zu kombinieren. Wer zu fünft von Hamburg nach Neapel reisen möchte, sehr schnell – die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 220 km/h – und sehr kultiviert, der ist denn auch auf diesen Cordsamt-Sesseln hervorragend untergebracht. Auch einige richtige Koffer lassen sich verladen, sie können oder müssen aufrecht gestellt werden. Die hintere Gepäckraumwand ist weit hochgezogen; in stehenden Koffern kann Whisky nicht auslaufen.