An der guten Konjunktur verdient der Fiskus dank der progressiven Besteuerung mehr, als es dem Durchschnitt der privaten Einkommenssteigerungen entspricht. Um 18,7 Prozent stiegen im März die Steuereinnahmen von Bund und Ländern gegenüber dem gleichen Vorjahrsmonat. Die Nervosität um die Mark-Aufwertung verhinderte wohl, daß dieser Springflut die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Die Lohnsteuerzahler entrichteten einen um fast dreißig Prozent höheren Obulus an den gierigen Vater Staat. Auch die Einführung der Mehrwertsteuer scheint allmählich ein gutes Geschäft für ihn zu werden. Die Steuerbeamten hatten den Steuersatz von elf Prozent offensichtlich vorsichtig kalkuliert.

In diesem Jahr dürften die Steuerschätzungen weit übertroffen werden. Schon die auf Grund der Schätzungen geplanten Ausgaben will man aber einschränken, um die Wirtschaft nicht mit Aufträgen zu überfordern. Ist jetzt nicht die günstige Gelegenheit gekommen, die Steuerlast durch eine allgemeine Senkung des Einkommenbzw. Lohnsteuertarifs etwas zu erleichtern? Die vorgesehene Harmonisierung in der EWG zwingt uns ohnehin, den Anteil der direkten Steuern am gesamten Steueraufkommen etwas zu vermindern. Eine allgemeine Steuersenkung vor den Wahlen bekäme auch den Regierungsparteien gut.

ks