Von Klaus Wagner

Nur dreißig Kilometer lang ist die zur Zeit wichtigste Autostraße Südvietnams. Sie verbindet Saigon mit Bien Hoa, dem größten amerikanischen Militärflugplatz im Land. Dort liegt das alliierte Hauptquartier des III. Korps, die Zentrale jener Verteidigungsregion, zu der auch Saigon gehört. Der vietnamesische Befehlshaber ist Generalmajor Do Cao Tri.

General Do Cao Tri stammt aus der Gegend von Bien Hoa – er ist Großgrundbesitzer dort. Sein Alter ist – wie bei allen Asiaten – schwer zu schätzen. Er hat schon mit den Vietminh gegen die Franzosen gekämpft. Lebhafte, intelligente Augen beherrschen ein hartes Gesicht.

Der General gilt als einer der wichtigen Männer um Staatspräsident Thieu. Er war Botschafter in Korea. Aber er sagt, daß ihn die Politik nicht interessiere – nicht als Karriere. Er sei in erster Linie Soldat und wolle es bleiben. Glaubt er an eine politische Lösung des Vietnam-Konflikts?

"Es handelt sich bei diesem Krieg um eine Auseinandersetzung zwischen Nord- und Südvietnam. 75 Prozent der gegnerischen Truppen sind Nordvietnamesen. Der militärische Sieg ist das Ziel beider Seiten. Der Krieg ist uns vom Norden aufgezwungen worden. Südvietnam will nur den Frieden. Für mich gibt es niemals eine Lösung mit den Kommunisten. Seit zwanzig Jahren kämpfe ich. Die Kommunisten wollen uns ihr System auszwingen. Wir wollen ein Leben in Frieden, aber wenn nötig, können wir alle Opfer bringen, um unser Ziel zu erreichen."

Von der Rolle des Militärs im politischen Leben Südvietnames hat der General eine hohe Meinung:

"Was ist die Quelle des Lebens? Es ist die Armee. In ihr ist die Jugend. Die Armee muß immer eine wichtige politische Rolle spielen. Doch das politische Leben muß sich unter einem demokratischen System abspielen. Es muß von demokratischen Grundsätzen erfüllt sein. Die Ziele der Armee und der Parteien laufen parallel. Aber die Vietnamesen sind Individualisten. Deshalb brauchen wir eine Democratie dirigée!