Köln

Der Wahlkampf hat jetzt für uns angefangen", Professor Ulrich Klug und seine junge Crew lassen im Rektorat der Kölner Universität alle gewichtige Funktionswürde vermissend Sie gleichen eher einem Team, das mit der Vorbereitung eines Happenings beschäftigt ist – voller Elan und guter Laune.

Die Kandidatur des Strafrechtlers im 60. Kölner Wahlkreis (130 000 Wahlberechtigte) verspricht eine spannende Sache zu werden. Professor Klug ist wie der Konstanzer Professor Dahrendorf ein "As" im Wahlkampf der FDP. Der Kölner Ordinarius für Rechts- und Staatsphilosophie hat sich überdies als Mitautor an der gerade jetzt im Bundesatg debattierten Strafrechtsreform einen Namen gemacht. Er gehörte zu den Verteidigern des Münsteraner Sozialanwalts Weigand und kämpfte als Anwalt erfolgreich für den wegen Beihilfe zum Landfriedensbruch und Aufruhr angeklagten ehemaligen Kölner AStA-Vorsitzenden Klaus Laepple. Er vertrat den "Spiegel" vor dem Bundesverfassungsgericht. "Er war immer dort zu finden, wo die Gesellschaft, vertreten durch den Staatsapparat, obrigkeitlich auftrat", schrieb eine Kölner Zeitung, als Klug sich im letzten Sommer nach der Verabschiedung der Notstandsgesetze entschloß, in die FDP einzutreten.

Ob es dem neuen FDP-Mann allerdings gelingen wird, bei den Bundestagswahlen über die Reserveliste ins Bonner Parlament einzuziehen, scheint selbst den Herren vom Kölner Kreisverband alles andere als sicher. Denn daß die Stellung auf den obersten Plätzen der Landesliste von Nordrhein-Westfalen von altgedienter FDP-Prominenz gehalten werden wird – die Liste wird erst noch aufgestellt –, läßt sich an den Fingern abzählen. Die Kölner Situation ist für die Liberalen nicht gerade rosig. Im Stadtrat hat die FDP seit fünf Jahren keine Stimme mehr. Damals fehlte ein halbes Prozent, um die Fünf-Prozent-Hürde zu nehmen. Aus dem Kreisverband Köln vertritt kein FDP-Abgeordneter die Kölner Wähler in einem übergeordneten parlamentarischen Gremium. Weder in der Landschaftsversammlung noch im Düsseldorfer Landtag, geschweige denn in Bonn. Allerdings gelang es der Partei, gewichtige kommunalpolitische Dinge in die öffentliche Diskussion zu bringen. Kürzlich gelang ihr der Coup, mit den Aufdeckungen über eine total verfehlte Stadtplanung die ahnungslose Bürgerschaft zu überraschen.

Zwanzig junge Leute, meistens Studenten, unterstützen Professor Klug, die – ohne FDP-Mitglieder zu sein – ihrem Professor helfen wollen, den Wahlkreis 60, in dem auch die Universität liegt, zu einem Schwerpunkt des Wahlkampfes der Liberalen zu machen.

Erfahrungen hat man bereits gesammelt, als FDP-Mitglieder in den vergangenen Monaten öfters auf dem Neumarkt mit Kölner Bürgern politisch aktuelle Fragen diskutierten und Rede und Antwort standen. Professor Klug machte mit, und er will diese Form der persönlichen Gespräche, im Wahlkampf intensivieren, wobei er besonders auf den Wochenmärkten agieren will. Die Kampagne "Mitgliederwerbung durch Hausbesuche" hatte bereits Erfolge, und so will denn auch Kandidat Klug Klinken putzen.

Clou aller Aktionen – die Telefonseelsorge: Über die Kölner Nummer 23 60 55 wird Bundestagskandidat Klug jeden Samstag zwischen 13 und 15 Uhr Fragen aus der Bürgerschaft beanworten. Magda Gatter