Von Frank Benseler

Außenstehende, die den Luchterhand-Verlag – halb links, zwei rechts – für eine Institution halten, welche Steuerrecht, Grass und Es-Pe-De, Kiesingers "ultralinke Literaten" und Stoltenbergs "unqualifizierteste Wissenschaftler seit den Zeiten des Nationalsozialismus und der alldeutschen Professoren" in der Soziologie vereint, mithin für eine recht bundesrepublikanische Kompromißinstitution mit richtigem Namen, der Assoziationen vom siebenarmigen Leuchter bis zur Fackel des Sokrates erweckt – Außenstehende also wundern sich: Wie, gibt es eine Person dahinter, einen Mann, der das betreibt, zuläßt, steuert?

Ja, es gibt sie: einen Verleger; aber völlig anders, als die noch heute wirksame romantische Stilisierung erwarten läßt.

Viele Menschen, unglückliche Produkte deutscher germanistischer Erziehung und im Buchhandel mit hohen Idealen Unterdrückte, stellen sich einen Verleger nach dem Modell vor, das Brecht in der "Legende von der Entstehung des Buches Taoteking" gegeben hat:

Aber rühmen wir nicht nur den Weisen

Dessen Name auf dem Buche prangt

Denn man muß dem Weisen seine Weisheit