Ich fragte nach Schriftstellern des westlichen Auslands, die in der Sowjetunion gelesen werden.

Da ist vielleicht als erster Hemingway zu nennen. Seine Bücher sind – soviel ich weiß – alle ins Russische übersetzt. Und dann noch Faulkner. Diese zwei Amerikaner sind bei uns sehr beliebt. Von den westdeutschen Autoren ist Heinrich Böll der bekannteste. Einen Namen machte sich auch Peter Weiss. Zur Zeit wird sein "Marat"-Stück an einer Moskauer Bühne einstudiert. Seit seiner Hochzeit mit einer Russin ist auch Enzensberger kein Unbekannter mehr.

Ich vermißte in dieser "Literaturliste" Namen von zeitgenössischen russischen Autoren.

Es gibt sie natürlich, sie werden gedruckt, zum Verkauf angeboten. Aber sie interessieren nicht, sie sind zu langweilig. Warum soll man Bücher lesen, bei denen man schon im voraus weiß, was drin steht, in denen Probleme behandelt werden, die nicht interessieren.

In der sowjetischen Presse werden immer wieder Klagen laut über die Jugend: sie trinke zu viel, sie sei politisch indifferent, die Kurve der Jugendkriminalität steige ständig. Ich fragte meine Gesprächspartner nach dem Bild, das sie sich von Rußlands Jugendlichen machen.

Die Jungen sind oberflächlich. Sie sind auf alle Fälle sehr verwöhnt. Die russische Durchschnittsfamilie ist heute klein: Ein bis zwei Kinder sind die Regel, und diesen Kindern wird alles erlaubt, sie bekommen alles.

Die Freizeit verbringen sie mit Freunden in Beatlokalen, feiern Partys und trinken dabei auch manchmal mehr, als ihnen gut tut. Und so passiert dann auch immer wieder mal etwas, was unliebsames Aufsehen erregt.