Diese Prozesse machen Schlagzeilen in der westlichen Presse, Intellektuelle beklagen in Protestbriefen die mangelnde Meinungsfreiheit in der Sowjetunion, Organisationen wie Amnesty International" nehmen sich der einzelnen Gefangenen an, das mag keine Regierung. Die Verantwortlichen würden es vorziehen, ihre Opfer ohne großen Wirbel mundtot zu machen.

Die Lage der politischen Häftlinge ist – sind sie erst einmal in einem Lager – ziemlich hoffnungslos. Ein Russe kann nichts dagegen unternehmen, es sei denn, er fühlte sich zum Märtyrer berufen. Und – seien wir doch ehrlich – die Zahl derjenigen, die wegen solcher Ungerechtigkeiten aufschreien könnte, ist verschwindend klein. Ihr gegenüber steht die gleichgültige Masse, und sie ist groß. Zu ihr zähle ich die Stumpfsinnigen wie die Opportunisten, und den größten Teil machen die "Abkapsler" aus, Menschen, die ihren Blickwinkel freiwillig auf ihren Arbeitsplatz und ihr Privatleben einschränken: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen.

Für ganz so fatalistisch (sagte ein anderer) würde ich meine Landsleute doch nicht halten. Sie stellen sich nicht zum offenen Kampf mit den Machthabern, was verständlich ist. Doch sie verfolgen die Entwicklung genau, sie machen sich Gedanken, über die Pressezensur zum Beispiel, über Bücher, die nicht oder nicht mehr gedruckt werden. Sie fragen sich, warum dürfen wir das nicht lesen, warum dürfen wir nicht ins westliche Ausland reisen?

Ein Aspekt darf dabei nicht unerwähnt bleiben. Uns Russen geht es heute wirtschaftlich verhältnismäßig gut. Wir können uns mehr leisten als früher, wir können es zu etwas bringen. Und dieses Gefühl ist noch zu neu, als daß eine rebellische Stimmung daneben groß werden könnte.