Von Walter Koenig

Im Gegensatz zur Austragungsweise des antiken Fünfkampfes, in dem der Sieger ausgekämpft wurde, ist der moderne Zehnkampf ein Mehrkampf, in dem der Sieger errechnet wird. Achten wir wenigstens darauf, daß dies richtig geschieht." Das sagte der Hamburger Dr. Carl Krümmel bereits vor 40 Jahren in Verbindung mit einer Abhandlung, wie Zehnkampf-Ergebnisse logisch in Punkten darzustellen wären.

Doch weder auf Zahlen-Bürokraten nationaler Leichtathletik-Verbände noch auf die Regelkommission der Internationalen Amateur Athletic Federation (IAAF) haben Krümmels unwiderlegbare Ausführungen in seinem Werk "Athletik" je einen Eindruck gemacht. Noch verwunderlicher aber ist, daß aus den Reihen der Zehnkämpfer selbst eine geharnischte Kritik nicht erfolgte. Schließlich sind sie doch die am vielseitigsten begabten Athleten.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde die internationale Zehnkampfwertung zwar mehrmals geändert mit der Begründung, sie müßte jeweils den inzwischen erfolgten Leistungssteigerungen angepaßt werden, aberanscheinend hat dabei niemand an die fortgesetzte Verwechslung technischer und physiologischer Vielseitigkeit gedacht, geschweige daran, daß das biologische Gleichgewicht eines Mehrkampfes auch wertungsmäßig einer Berücksichtigung bedarf.

Mehr als Worte kennzeichnen einige Beispiele aus der heute gültigen Wertung, daß sie als Nonsens bezeichnet werden muß. Sie ist teils progressiv, teils regressiv angelegt; so als wenn sie von sportunerfahrenen Leuten am Biertisch ausgeartet worden wäre.

100-Meter-Lauf:

10,0 sec = 1072 Punkte 11,0 sec = 804 Punkte