Seit ungefähr einem Jahr beschäftigt man sich in Bonn mit dem Gesetz über den Vertrieb ausländischer Investmentfonds in der Bundesrepublik. Die deutschen Sparer sollen vor unseriösen Angeboten aus der internationalen Finanzwelt geschützt und gleichzeitig die steuerliche Diskriminierung der deutschen Thesaurierungsfonds gegenüber ausländischen Fonds gleicher Art beseitigt werden.

Hier sind also handfeste Interessen im Spiel; und darum haben sich denn auch die Lobbyisten von Anfang an bemüht, den Gesetzentwurf zugunsten der Auslandsfonds aufzuweichen. Nach dem letzten Hearing, das im Februar vor dem Wirtschafts- und Finanzausschuß des Bundestages stattfand, sah es dennoch so aus, daß das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden würde.

Doch daraus wird wahrscheinlich nichts. Schuld an der neuerlichen Verzögerung ist diesmal nicht die Schwerfälligkeit des Parlaments. Die Sünder sind bei den Perfektionisten zu suchen, die immer neue Sicherungen für den deutschen Sparer einbauen möchten. Das ist sicher ehrenhaft. Aber was wird praktisch erreicht?

Der Gesetzentwurf liegt auf Eis. Möglicherweise für langer als ein Jahr. Und diese Pause nutzen gerade jene Fonds, die man vom deutschen Anleger fernhalten will, um noch einmal zu einem Großangriff auf die Spargelder anzusetzen. Fast jede Woche kommt ein neuer Fonds an den deutschen Markt.

Deshalb: Wer wirklich den Schutz des Sparers will, muß auf eine rasche Verabschiedung des Gesetzentwurfes drängen, auch wenn er unvollkommen erscheint. Verbessert werden kann er später. Zunächst kommt es auf den Aufbau einer ersten Barriere gegen unseriöse Geschäftemachern an. K. W.