Sie sind ungefähr 30 Milliarden Lire (etwa 200 Millionen Mark) wert. Wenn sich bis 30. Juni kein Käufer gefunden hat, werden sie meistbietend versteigert – die Textilfabriken Felice Rivas, der einst Baumwollkönig von Italien genannt wurde und jetzt in Beirut von der Polizei festgehalten wird.

Als Riva 1960 von seinem Vater die 13 Fabriken des Baumwollkonzerns Valle di Susa im Piemont erbte, war er 25 Jahre alt. Fünf Jahre später war das Unternehmen ruiniert. Riva hatte noch vorher schnell ein Aktienpaket (geschätzter Wert 50 Millionen Mark) in die Schweiz gerettet. Der Konkursverwalter stufte den früheren Präsidenten des Fußballklubs AC Milan als vermögenslos ein.

Riva junior hatte das Textilimperium mit derselben Methode zugrunde gerichtet, mit der es sein Vater aufgebaut hatte: Mit halsbrecherischen Börsenspekulationen. Überdies hatte er den Markt falsch eingeschätzt. Er investierte unbekümmert darauflos und blieb schließlich auf vollen Lagern sitzen. Die Arbeiter konnten nicht mehr voll ausbezahlt werden, sie streikten. Die neue Geschäftsleitung – das alte Management war durch Felices Schulkameraden ersetzt worden – konnte die Lage nicht meistern.

Massenentlassungen waren schließlich nicht mehr zu vermeiden. Pardon wurde nicht gegeben: Betriebszugehörigkeit oder soziale Lage spielten keine Rolle.

Schließlich stellte sich auch noch heraus, daß Riva zwei Jahre lang die Altersversicherung der Arbeiter nicht bezahlt hatte. Symptomatisch für die italienische Sozialgesetzgebung, daß der Arbeiterrentenanspruch tatsächlich um zwei Jahre zurückgestuft wurde:

Das Unternehmen wurde schließlich von der Auffanggesellschaft ETI, einem Konsortium der größten italienischen Firmen, vor dem völligen Zusammenbruch bewahrt. Die verbliebenen 5000 Beschäftigten – 1961 waren es noch 9100 gewesen – befürchten, daß sie die bevorstehende Versteigerung arbeitslos macht. Die Gewerkschaften rufen nach dem Staat – zu Recht, denn die marode italienische Wirtschaftsordnung hat den Eklat geradezu hervorgerufen: Auch für die größten Privatunternehmen besteht keine Publizitätspflicht, keine Pflicht, sich der Kontrolle unabhängiger Wirtschaftsprüfer zu unterwerfen. Im Dschungel italienischer Wirtschaftsgesetze kennen sich nicht einmal mehr Experten aus, den Wirtschaftshyänen sind Tür und Tor geöffnet.

Textil-Riva wurde des betrügerischen Bankrotts beschuldigt, blieb aber entgegen italienischem Recht auf freiem Fuß – dank guter Beziehungen zur Justiz. Die Ermittlungen schleppten sich jahrelang hin. Als ihm im April dieses Jahres endlich der Prozeß gemacht werden sollte, setzte er sich nach dem Libanon ab.