Die Aktien der Basler Chemie werden, wenn nicht alles trügt, 1969 den Schweizer Börsen ihren Stempel aufdrücken. Sie rückten bereits ins Rampenlicht breiten Publikumsinteresses, als Ciba, Geigy und Sandoz ihren Aktionären in frappierender. Eintracht erstmals Konzernrechnungen ins Ostern est legten. Seit Mitte April Ciba und Geigy nun auch noch verkündet haben, sie wollten "die Möglichkeiten einer künftigen engen Zusammenarbeit auf allen Gebieten ihrer beidseitigen Interessen" prüfen zu wollen, stehen die Basler Chemieaktien Woche für Woche in Zürich an der Spitze der umsatzstärksten Papiere. Dem schwächlichen Dementi, von einer Fusion könne keine Rede sein, mißt man nur aufschiebende Bedeutung bei.

Im April, der den Schweizer Aktien insgesamt einen Indexgewinn von gut neun Prozent eingetragen hat, schossen Ciba Namens-Aktien mit 30 und Ciba Inhaber-Aktien mit 28 Prozent Kursgewinn klar den Vogel ab. Inzwischen sind weitere harte Franken dazugekommen. Daß Geigy nicht ganz so stürmisch mitzieht – Aprilgewinn der Namensaktie zum Beispiel knapp 20 Prozent – liegt daran, daß diese Aktie seit 1950 bereits wesentlich schärfer angestiegen ist als die der Ciba. Durschnittlich wuchs der Börsen wert der Geigy-Aktien in dieser Zeit im Schnitt um nicht weniger als 30 Prozent pro Jahr. Wie die Schweizerische Kreditanstalt in ihrem jüngsten Bulletin gerade ausgerechnet hat, nahm Ciba es mit nur 15 Prozent wesentlich gemächlicher. Das Aufholrennen ist also verständlich – und wohl kaum schon abgeschlossen, denn mit 16 ist das Preis/Gewinn-Verhältnis für Ciba Inhaber-Aktien auch jetzt im internationalen Vergleich noch günstig. Geigy hat es immerhin schon auf 23 gebracht.

Die Phantasie in diesen beiden Titeln entzündet sich an der Vorstellung eines gemeinsamen Umsatzes von 5,4 Milliarden Schweizer Franken womit eine vereinigte Gesellschaft in Europa nach ICI, Montelison und den drei deutschen Farbennachfolgern in den sechsten Rang einzustufen wäre. Zu Du Pont mit seinen 15 Milliarden Franken wäre zwar immer noch ein großer Schritt. Aber mit (nach der Umsatzgliederung 1968) fast zwei Milliarden Franken Pharma-, 1,4 Milliarden Agrochemie- und 1,1 Milliarden Farbstoffverkäufen würde Ciba/Geigy in jedem dieser Teilgebiete weltweit eine beachtliche Rolle spielen. Was aber erst, wenn auch noch Sandoz mit 2,2 Milliarden Konzernumsatz, was, wenn schließlich Lonza mit 300 Millionen dazustoßen sollte?

Der Anleger kommt an die "Basler Leckerli" freilich nicht leicht heran. Erstens sind die auf den Namen lautenden Stücke dem Nichtschweizer kaum zugänglich. Und zweitens: so viel wie die Aktie Hoffmann-La Roche, dem mit annähernd vier Milliarden umsatzstärksten und deshalb am wenigstens "kooperationsverdächtigen" Unternehmen der Basler Chemie, für die der Anleger im Augenblick die runde Summe von 190 000 Franken (172 000) Mark hinblättern muß, wiegen die andern zwar nicht. Aber 12 000 Franken für eine Ciba-Inhaber-Aktie, 13 200 Franken für eine Geigy-Inhaber-Aktie oder 9350 Franken für Sandoz sind auch schon ein Wort.

W. W.