Lauda

Die kleine Garnisonsstadt Lauda (5000 Einwohner) im Nordbadischen hat nicht nur einmal im Jahr den Tag der offenen Tür. Die Tore seines Offiziersheims sind das ganze Jahr über offen, und zwar für jeden Zivilisten, der zur "Offiziersheim-Gesellschaft" gehört. Früher allerdings waren sie Mitglieder, jetzt sind sie zu "Gästen" degradiert, früher zahlten sie eine Sperrgebühr von monatlich zehn Mark, jetzt geht’s gratis für den Herrn Landrat, für den Herrn Bürgermeister, für den Herrn Rechtsanwalt, für den Herrn Direktor und die anderen Honoratioren.

Wenn der Bier-Call in das Kasino ruft, dann kennt Lauda keine Wehrdienstverweigerer. Kostet doch an jenem Tag zu vereinbarter Stunde das Halbe Bier im Kasino nur den halben Preis. Und den ganz Gebildeten der Laudaer Gesellschaft wird das Gastronomenrezept der Bundeswehr auf englisch verraten: Two for one – auf militärisch: "Aktion 241." Von zwei Portionen muß also nur eine bezahlt werden. Jeder Zahlende kann noch einen Mitesser mitbringen.

Es hat sich längst herumgesprochen: Das Offizierskasino ist das preiswerteste Restaurant in ganz Lauda. Kein Wunder also, daß so mancher wirtschaftswunderliche Bürgersmann just das Kasino für die Konfirmationsfeier seines hoffnungsvollen Rekrutenanwärters ausersah und daß in dem Kasino auch noch andere familiäre Bande geflochten wurden. Der staatsbürgerlichen Erziehung war allerdings diese Bundeswehreinrichtung gar nicht förderlich. So lange nämlich die Honoratioren und Offiziere droben im Kasino tafelten, schluckten die 15 Gastwirte und die Gefreiten ihr Bier und ihren Groll in den Restaurants des Städtchens hinunter. Bis schließlich der Bezirksvorsitzende der Wirte, Oskar Bachmann, mit Schützenhilfe des Verbandssyndikus einen Vorstoß in die Kaserne zu Oberstleutnant Winkler unternahm.

Die Schlacht scheint jedoch im Sandkasten verlaufen zu sein. Nach wie vor darf die Bundeswehr auf Kosten der Steuerzahler ihre Köche und Kellner im freien Kampf der Kräfte gegen die steuerzahlenden Gastwirte Laudas und Umgebung einsetzen. Nikolas Lang