Erich Mendes Auftritt im Karlsruher Porst-Prozeß: Nur ein FDP-Betriebsunfall?

Von Haug von Kuenheim

Karlsruhe, im Mai

Erich Mende genoß den Auftritt. Vor dem 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofes leistete er in Sachen Porst den imponierendsten Eid, der je vor diesen Richtern geschworen wurde. Der FDP-Chef gab der Eidesformel "... so wahr mir Gott helfe" jenen Klang, der sie erst wahrhaft zum Schwur macht. Er, der auf der nordrheinwestfälischen Landesliste der Freien Demokraten an zweiter Stelle kandidiert, eröffnete im Bundesgerichtshof den Reigen der FDP-Politiker, die in Karlsruhe zum Schwur gebeten wurden – vor Walter Scheel, der auf jener Landesliste ihm vorsteht.

Mende und nach ihm die anderen FDP-Führer sollten zu dem Komplex der Anklage aussagen, die den! Nürnberger Photokaufmann vorwirft, sich auf Weisung des Staatssicherheitsdienstes der DDR um eine zentrale Stellung in der FDP bemüht und seine Auftraggeber über politische Bestrebungen dieser Partei informiert zu haben.

Der ehemalige Parteichef und Gesamtdeutsche Minister vermied es, seinem alten Duzfreund Porst in die Augen zu sehen. "Er hat sich an mich herangemacht", erinnert sich Erich Mende und zeigt eine Broschüre vom Frankfurter FDP-Parteitag aus dem Jahr 1961, wo man auf Bildern Photo-Porst Arm in Arm mit dem Parteichef sieht. Damals kam auch die Duzbrüderschaft zustande. Die Wahlplakate, die in Porsts Druckerei Maul & Co. gedruckt wurden und auf denen Heuss und Mende vereint waren, schienen so gelungen, daß man den hilfsbereiten Kaufmann ganz einfach in die Arme nehmen mußte.

Auf Wunsch der "Leitung"