Rund hundert deutsche Professoren der Nationalökonomie haben sich für eine Aufwertung der Mark ausgesprochen und die Entscheidung der Bundesregierung scharf kritisiert. Edgar Salin, Professor für Staatswissenschaften an der Universität Basel, legt dar, warum eine Aufwertung nach seiner Meinung verfehlt wäre.

1. Die Krise

Wenn man jenseits der Grenze lebt, ist es vermutlich gar nicht einfach, sich klarzumachen, worauf eigentlich die aufgeregten Diskussionen in der Bundesrepublik zurückzuführensind. Etwas Ähnliches hat es noch niemals in der deutschen Geschichte gegeben; und auch in der Welt wird man vergebens danach suchen, daß irgendwo, wenn eine Währungsmaßnahme geplant gewesen ist, von allen beteiligten Seiten die verschiedenen Äußerungen Wochen und Tage vorher vernommen wurden.

Ich brauche keine besonderen Beispiele zu geben. Jedem ist bekannt, wie lange der Kampf um die Aufwertung in Deutschland schon geführt wird. Jedem ist bekannt, wie die verschiedensten Vertreter der Bundesbank sich seit Monaten für die Aufwertung eingesetzt haben – jedem ist bekannt, daß der eine der Minister dafür gewesen ist, der andere dagegen, und daß heute derjenige, der vor Monaten mit Vehemenz einen Gegenstandpunkt eingenommen hat, nun eine Volte vollzog und mit ebenso großem Nachdruck für die Aufwertung eintrat.

Niemand scheint die Macht gehabt zu haben, ein Schweigegebot zu erlassen, um diejenigen, die das Reden nicht lassen konnten, dann darauf aufmerksam zu machen, daß sie weder das Interesse der Währung, noch das Interesse des Staates dadurch förderten, daß sie ihren eigenen, mehr oder minder privaten, mehr oder minder theoretisch gesicherten, mehr oder minder politisch geforderten oder angreifbaren Standpunkt vor den verschiedensten Gremien vertraten.

Von draußen gesehen ist es außerdem erstaunlich, daß niemand nach den Gründen dieser ganzen Diskussion fragt.

Ganz sicher ist ja nicht die Deutsche Mark krank, sondern höchstwahrscheinlich befindet sich das Währungssystem der Welt nicht mehr in Ordnung. Ich möchte allen denen, die bisher nur auf deutsche Stimmen gehört haben, – damit sich Unruhe endlich etwas legt – doch sehr dazu raten, einmal italienische oder schweizerische oder französische Zeitungen zu lesen. Selbst in der "New York Herald Tribune" wird man weit gemäßigtere Ausführungen finden, die doch nachdenklich machen sollten. Das könnte vielleicht dazu führen, daß für einige Monate Ruhe gehalten und eine wirkliche Neuordnung des gesamten Währungswesens vorbereitet wird.