Größe verpflichtet, im Falle der Westdeutschen Landesbank, Düsseldorf, zur offiziellen Bescheidenheit. Dieses Institut, das am Jahresanfang durch den Zusammenschluß der Rheinischen Girozentrale und Provinzialbank, Düsseldorf, und der Landesbank für Westfalen, Münster, entstanden ist und neben der Deutschen Bank zu den größten in der westdeutschen Bankenwelt gehört, will sich weder an der "eigenen Größe" noch an der "eigenen Schönheit" ergötzen – so ihr Vorstandsvorsitzender Ludwig Poullain.

Poullain umschreibt "sein" Institut sogar mit dem Ausdruck Regionalbank, was bei einer Bilanzsumme von über 30 Milliarden Mark wie ein handfestes Understatement anmutet. Tatsächlich macht aber die Geldausgleichsstelle der rheinisch-westfälischen Sparkassen das Hauptgeschäft im Lande an Rhein und Ruhr. Auf "fremdem" Boden, etwa in Hessen, dringt es grundsätzlich nur im Verein mit den dort zuständigen Girozentralen in Form des Konsortialgeschäftes vor. Selbst der Auslandskredit ist für Poullain nur eine Ergänzung zum Inlandsgeschäft, das Vorrang hat. Und dies, obwohl die Landesbank hier unter allen Girozentralen führt und neben der Deutschen Bank zur bedeutendsten Konsortialführerin für die Begebung von Mark-Auslandsanleihen aufgestiegen ist.

Insoweit ist das Institut Regionalbank, weil das Regionalprinzip der Sparkassen es so will. Im Falle inländischer Aktienmissionen, im Falle von Millionenkrediten für deutsche Großkonzerne kann die Landesbank die Konsortialführung nicht erringen, weil die privaten Großbanken dort feste Positionen besitzen, die ihnen zu einem großen Teil ihr industrieller Aktienbesitz eingebracht hat. Aktienbesitz, mit dem sie sich in diese lukrativen Konsortien einkaufen könnte, will die Bank aber nicht erwerben.

Man versagt sich diese Versuchung freiwillig, um nicht künftig in das Kreuzfeuer jener Gegner des Universalbanksystems zu geraten, die eine Konzentration von Industriebeteiligungen bei den Banken für gefährlich halten. Die Westdeutsche Landesbank wird daher kaum jemals den Einfluß auf die Industrie gewinnen, wie eine private Großbank mit ihrer Vielzahl von Aufsichtsrätssitzen. Das Institut bleibt "bescheiden". Auf einem anderen Blatt steht, wie sich die Sparkassen verhalten werden. my