Otto Mundorf, der Geschäftsführer der Deutschen-Jugend-Reisen, hat gut lachen. Spätestens im Herbst, mit dem neuen Winterprospekt, wird er eine Katze aus dem Sack lassen, deren Auftritt allgemeine Aufmerksamkeit gewiß ist. Die Deutschen-Jugend-Reisen – djr – werden sich mit dem Deutschen Studenten-Reisedienst – dsr – vereinigen und damit unangefochten zum größten Jugendreisebüro der Bundesrepublik avancieren. 175 000 junge Leute werden jährlich mit dem neuen Unternehmen verreisen, sein Umsatz wird die 40-Millionen-Grenze rasch erreichen.

Die "Deutschen-Jugend-Reisen" waren schon im vergangenen Jahr dabei, als die Konzentrationsbewegung im Jugendreisegewerbe begann (ZEIT Nr. 42/68). Mit einem ihrer damals eingekauften Partner hatten sie freilich Pech. Das "Jugendreisebüro" in Saarbrücken war beim Zusammenschluß insgeheim schon pleite. Jetzt planen die Jugendreisemanager in Köln und Bonn auf höherer Ebene: Der Computer soll so bald wie möglich dazu beitragen, den Konkurrenzdruck der großen kommerziellen Reiseunternehmer zu mindern. Die nächsten "Anschluß-Partner" werden dann nicht lange auf sich warten lassen.

Im Reisesommer 1969 bieten die "Deutschen-Jugend-Reisen" ihr Programm zum letztenmal allein an. Seit vergangenem Jahr hat man 700 Reisebüros zu den bisherigen 100 Buchungsstellen dazugenommen. Ergebnis: Eine Zuwachsrate von 30 Prozent.

Der Sommerprospekt 1969 enthält 140 Reisen zu Zielorten in 25 Ländern – zwischen Amerika und Rußland, zwischen Finnland und Tunesien. Die billigsten Reisen sind 7-Tage-Fahrten nach Paris für 94 Mark und ein zweiwöchiges internationales Jugendtreffen in Noer an der Ostsee für 137 Mark (ab Düsseldorf).

Zu den teuersten Reisen gehören ein 24tägiger französischer Sprachkurs in Lausanne für 989 Mark, eine dreiwöchige Israel-Kreuzfahrt für 1038 Mark, eine 17tägige Flugreise nach Moskau–Taschkent–Samarkand für 1272 Mark und ein 23tägiger paying-guest-Aufenthalt, kombiniert mit einem Städteprogramm rund um die großen Seen in den USA für 1390 Mark.

Obwohl mit Hobby-Reisen bisher schlechte Erfahrungen gemacht wurden,werden Segelkurse, Fahrunterricht und Reiten (für 14 Tage zwischen 415 und 690 Mark) in Deutschland und Österreich angeboten. Man versucht aber neuerdings das Interesse der jungen Leute auf andere Weise zu wecken. Im Feriendorf Juan-les-Pins an der Côte d’Azur beispielsweise existiert auch ein Jugendsegelklub. Das Programm wird aber als reiner Erholungsaufenthalt angeboten. Am Ort offeriert man dann den Teilnehmern das Segelschulprogramm. "Am ersten Tag kommen höchstens ein bis zwei Leute", berichtet Otto Mundorf. "Aber wenn die dann erzählen, wie es war, können wir uns vor dem Zulauf nicht mehr retten."

Ein weiterer Schwerpunkt des Programms sind Feriensprachkurse in der Schweiz, in Frankreich und vor allem in England. Ein besonderer Erfolg waren im Jahre 1968 die Sprachkurse für dreizehn- bis 15jährige Schüler.