Bei den europäischen Gemeinschaften in Brüssel droht Streik. Das Heer der rund 5000 "Bürokraten" will nicht länger zusehen, wie die Gehälter der Spitzenbeamten immer neue Höhen erklimmen, während ihre eigenen Löhne nur im Schneckentempo steigen.

Rund 9360 Mark erhält der Präsident der EWG-Kommission Jean Rey monatlich, 8460 Mark tragen die Vizepräsidenten nach Haus, und 7576 Mark hat ein "einfacher" Kommissar der EWG-Kommission im Monat. Ein Amtsgehilfe bekommt zur Zeit 691,68 Mark.

Bei Rey kommen noch Aufwandsentschädigungen in Höhe von etwa 5000 Mark hinzu, während die Zuschläge bei einem Amtsgehilfen, der natürlich auch keine Repräsentationspflichten hat, minimal sind.

Aber nicht nur die absoluten Unterschiede, sondern vor allem die prozentuale Entwicklung in den letzten Jahren erbittert die "kleinen" Beamten.

Die Gehälter der Generaldirektoren bei der Brüsseler Kommission – so rechnet die Brüsseler Personalvertretung in einem Rundschreiben vor – stiegen vom 1. Januar 1963 bis zum 1. Oktober um 50 Prozent von 3868 Mark auf 5711,36 Mark. Sekretärinnen aber erhielten nur knapp 31 Prozent mehr: um 226,32 Mark erhöhte sich in dieser Zeit ihr Gehalt auf 998,32 Mark. Die Amtsgehilfen schließlich mußten sich in diesen fünf Jahren mit einem Gehaltsanstieg von 177,68 Mark (37 Prozent) begnügen, so daß sie jetzt 691,68 Mark Grundgehalt beziehen.

Am 29. Oktober vorigen Jahres beschlossen die Mitgliedsregierungen eine Anhebung der gesamten Personalausgaben um 3,3 Prozent. Da die Gelder in erster Linie zur Verbesserung der niederen Einkommen dienen sollten, schöpften die Eurokraten der unteren Ränge Hoffnung.

Nun, nach sechsmonatigen ergebnislosen Verhandlungen zwischen der EWG-Kommission und der Personalvertretung, fühlen sie sich getäuscht. Die Kommission habe nicht nur beschlossen, alles beim alten zu lassen, so behauptet die Personalvertretung, sondern wolle den Abstand sogar noch vergrößern.

Dazu erklärt man an zuständiger Stelle: "Die Wirtschaft zahlt heute so gut, daß wir nur noch mit besseren Gehältern erstklassige Leute gewinnen können," Und weiter: "Da der finanzielle Spielraum der Kommission von Jahr zu Jahr mehr eingeengt wird, muß die Kommission die verfügbaren Gelder mit großtem Effekt einsetzen, also zur Heranziehung bester Spitzenkräfte." hb