Düsseldorf Bis zum 29. Juni, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen: "Sammlung Wilhelm Hack"

1969, das Jahr der schönen Sammlungen. Sprengel in Hannover, Ludwig in Köln, Klinker in Bochum, Ströher erst in Berlin, jetzt mit seiner Beuys-Kollektion in der Düsseldorfer Kunsthalle. Im gleichen Haus (in der Etage des Kunstvereins) die Sammlung Hack. Vor dem Krieg hat Wilhelm Hack Kunst des Mittelalters gesammelt, vorwiegend deutsche Gotik, Skulpturen und Tafelbilder, dazu Elfenbeinarbeiten aus Paris, Malerei der frühen Niederländer sowie als Sonderkomplex spätrömische und fränkische Arbeiten, seltene und kostbare Stücke, die in einem Museum besser aufgehoben wären. Die moderne Abteilung, in den fünfziger Jahren angefangen, hat Wilhelm Hack den Ruf eines engagierten Sammlers eingebracht. Sie ist einseitig, kein Abriß der Kunst des Jahrhunderts. Hack hat sich für konstruktivistische Tendenzen entschieden und dafür so gute Beispiele zusammengebracht, wie sie die Nürnberger Biennale "Konstruktive Kunst" in ihrem historischen Teil leider vermissen läßt – sie hätte die Sammlung Hack zeigen sollen.

München Bis Mitte Juni, Galerie Thomas: "Pavlos"

Statt nach stilistischen Kriterien kann man das reichhaltige Angebot von Objekten wie im Warenhaus branchenmäßig systematisieren: Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände, Möbel, Textilien. Zu den renommierten Textilproduzenten wie Oldenburg, Dine, Yayoi Kusama (Kleider und Schuhe) gesellt sich der Exilgrieche Pavlos, dessen Hemden, Krawatten, Mäntel und Jacketts schon in Paris, Brüssel, New York, Stockholm reüssierten, bevor die Galerie Thomas sie auf den deutschen Markt bringt, um einem offenbar dringenden Bedürfnis abzuhelfen: die in Plastik verpackten Hemden und ordentlich über Bügel gehängten, an der Stange aufgereihten Mäntel finden guten Absatz. Was den Pavlos-Textilien den modischen Chic verleiht, was sie von amerikanischen und japanischen Fabrikaten unterscheidet, ist die Tatsache, daß es sich um höchst kunstvolle und raffinierte Papierkonstruktionen handelt. Lange Streifen aus zerschnittenen Plakaten werden zusammengepreßt oder auseinandergefaltet und wabenförmig zusammengeklebt, das macht, zusätzlich zur textilen Illusion, einen reizvollen Oszillationseffekt, der die Absichten der Pop-Art in ihr Gegenteil verkehrt. Oldenburg präsentierte reale Objekte, die abgetragene Jacke, das zerknitterte Hemd, drastisch und brutal, so sieht das Zeug aus, das ihr anhabt. Pavlos ersetzt den Realitätsbarbarismus durch geschmackvolles Pseudotextil für gehobene gesellschaftliche Ansprüche.

Weiterhin im Programm:

Düsseldorf Bis zum 12. Juni, Kunsthalle: "Sammlung Ströher"

Während ihrer Deutschlandtournee, die im letzten Sommer in München begann, hat die Sammlung Ströher sich in manchen Teilen verändert. Der Beuys-Komplex ist, beispielsweise durch den documenta-Raum, derart verstärkt worden, daß er in der Düsseldorfer Kunsthalle in einer Sonderschau gezeigt wurde. Die amerikanische Pop-Art, die jetzt an der Reihe ist, hat einige wichtige Stücke an die Sammlung Ludwig abgegeben. Der noch immer erhebliche Restbestand soll nun doch, wie ursprünglich geplant, im Darmstädter Landesmuseum domiziliert werden.