Möglicherweise wird es noch in diesem Herbst eine neue Form der Lebensversicherung geben. Sie kennt keine festen Versicherungssummen mehr. Nach Ablauf der Versicherungszeit erhält der Versicherte statt dessen einen Anteil an einem Wertpapiervermögen, das mit seinen Prämien aufgebaut worden ist. Dieses System erhält den Namen "fondsgebundene Lebensversicherung". Viele Einzelheiten sind noch ungeklärt. Erstmals, meine verehrten Leser, haben jedoch die Versicherungen zwei Grundmodelle vorgestellt, die sie künftig anzubieten gedenken.

Bei der fondsgebundenen Lebensversicherung wird das konventionelle Prinzip der Kapitalanlagenmischung durch Hereinnahme von Darlehen, festverzinslichen Wertpapieren, Grundbesitz, Hypotheken und Aktien aufgegeben. Viele Gesellschaften tun dies offensichtlich nur mit halben Herzen, weil sie davon überzeugt sind, daß das bisher gehandhabte Prinzip das einzig richtige ist. Genau wie früher bei deutschen Investment-Fonds so steht bei den Lebensversicherern heute noch Sicherheit vor Kapitalwachstum. Sie verkennen aber nicht, daß es eine stärker werdende Schicht in der Bevölkerung gibt, die bereit und in der Lage ist, für die Chance eines größeren Kapitalwachstums finanziell etwas zu riskieren.

Der Verband der Lebensversicherungs-Unternehmen e. V. hebt aber in seinem Jahresbericht sofort warnend den Zeigefinger: "Lebensversicherungs-Unternehmen sind der Meinung, daß sich die fondsgebundene Lebensversicherung vorwiegend für jene Versicherungsnehmer eignet, die bereits ausreichend mit den herkömmlichen Lebensversicherungsformen ausgestattet sind." Die fondsgebundene Lebensversicherung soll also etwas Zusätzliches ein. Sie tritt zwangsläufig in Wettbewerb mit den zahlreichen Vertriebsgesellschaften in- und ausländischer Wertpapierfonds, von denen die seriösen sagen, daß einer Anlage in Fonds tunlichst der Abschluß einer Lebensversicherung vorangehen sollte.

Nun sind die Fonds, wie Sie wissen, auf dem Versicherungsgebiet nicht untätig geblieben. Sie bieten langjährige Ratensparverträge mit Versicherungsschutz an, der sicherstellt, daß beim Tode des Sparers der Sparvertrag in voller Höhe erfüllt werden kann. Praktisch wird hier eine besondere Variation der Risikoversicherung auf Todesfall angeboten, die in vielen Spielarten möglich ist. Die deutschen Versicherungen haben sich aus diesem Geschäft bislang weitgehend herausgehalten und so den Einbruch ausländischer Unternehmen in den deutschen Versicherungsmarkt ermöglicht.

Aber sprechen wir hier nicht von den Ausländern, sondern von den deutschen Versicherern. Ehe ich Ihnen, meine verehrten Leser, die beiden Grundmodelle der fondsgebundenen Lebensversicherung vorstelle, muß ich Sie des besseren Verständnisses wegen mit der Technik bekanntmachen, mit der die deutschen Versicherer arbeiten.

Die Prämie, die Sie für ihre Lebensversicherung zu zahlen haben, setzt sich aus drei Teilen zusammen:

1. Sparanteil. – Er wird von den Versicherungsunternehmen – unter Hinzurechnung einer garantierten Mindestverzinsung – als sogenanntes Deckungskapital angesammelt. Am Ende der Laufzeit erreicht das Deckungskapital den Betrag der vereinbarten Versicherungssumme.