Je mehr Nahrung ein Embryo bekommt, desto größer wird sein Gehirn. Diese Folgerung zogen Dr. Stephen Zamenhof und Edith Van Marthens von der kalifornischen Staatsuniversität in Los Angeles aus Experimenten mit Ratten.

Die Wissenschaftler hatten den Uterus von Rattenweibchen so verändert, daß die Tiere nur halb soviel Junge bekamen, als normalerweise zu einem Wurf gehören. Entsprechend größer war offenbar das Nahrungsangebot für den einzelnen Fötus.

Die Jungen aus diesen Würfen hatten wesentlich mehr DNS (Desoxyribonukleinsäure) in ihrem Gehirn, was darauf schließen läßt, daß die Zahl der Nervenzellen im Hirn dieser Tiere in gleicher Weise vergrößert war.

In kleinen Würfen, bei denen die Zahl der Jungen nicht künstlich durch einen Eingriff verringert worden war, hatten die Neugeborenen ebensoviel Hirn-Nervenzellen wie die Rattenbabys aus normal großen Würfen. Zamenhof und Van Marthens nehmen an, daß in den Fällen, in denen die Zahl der Föten von Natur aus gering ist, der mütterliche Organismus die pränatale Ernährung entsprechend drosselt. Dieser Mechanismus funktioniert aber wahrscheinlich nicht, wenn die Zahl der Embryos infolge der Uterusoperation künstlich reduziert wird. So könnte eine Überernährung Zustandekommen.

Früher schon haben Versuche gezeigt, daß Eiweißmangel in der Nahrung trächtiger Tiere zu einer signifikanten Verringerung der Nervenzellen in den Gehirnen der neugeborenen Jungen führt.

Die Zahl der Nervenzellen im Gehirn vergrößert sich nach der Geburt nicht mehr. Es kann also sein, daß die Ernährung während der Schwangerschaft einen Einfluß auf die Entwicklung des Gehirns beim Kind ausübt, der für das ganze Leben von Bedeutung ist. Wahrscheinlich ist die Intelligenz mit der Zahl der Nervenzellen korreliert, weshalb an der häufig geäußerten Ansicht, Kinder von gut ernährten Schwangeren seien besonders intelligent, etwas Wahres sein mag.

V. G.