Der Nahost-Konflikt droht eine neue Eskalationsstufe zu erreichen. Nach den Artillerie-Duellen am Kanal, dem koordinierten Störfeuer an Israels Grenzen im Süden und Osten, den verschärften Guerilla-Aktionen will sich eine neue Macht einmischen: China. Das ist ein Akteur, weit gefährlicher als alle anderen, gefährlich auch für alle anderen. Nun könnte tatsächlich geschehen, was nicht nur Araber und Juden, was auch die Sowjets und Amerikaner seit langem befürchtet haben – ein zweites Vietnam.

Vorerst noch sind die Informationen dürftig. Eine syrische Militärdelegation verhandelt in Peking über Waffenlieferungen; Mao soll die Installation von Raketen an der syrisch-israelischen Grenze zugesagt haben. Die Absicht einer chinesischen Einmischung aber, in dieser oder jener Form, läßt nur einen Schluß zu: die Verhinderung eines Arrangements zwischen Moskau und Washington.

Für alle direkt oder indirekt Beteiligten ist es ohnehin schwierig genug, sich auf einen Kompromißfrieden zu einigen. Weder die Israelis noch die Araber sind willens, Abstriche von ihren Forderungen zu machen; weder die Amerikaner noch die Sowjets haben die Macht, einen Frieden zu diktieren.

Nutzte Peking nun die Chance, sich in dieser Situation ins Spiel zu bringen, gäbe es erst recht keine Aussichten mehr für eine friedliche Lösung. Der Krieg stünde vor der Tür, ein Krieg, der niemandem sonst etwas einbrächte – nur Mao. D. St.