Nach einer Woche heftiger Machtkämpfe drohte den italienischen Sozialisten die Spaltung, die jederzeit auch die Regierung Rumor gefährden konnte. Der regierenden Mitte-Links-Koalition gehören außer den Sozialisten die Christlichen-Demokraten und die Republikaner an.

Ursache der Spannungen war eine plötzliche Machtverschiebung innerhalb der noch nicht lange wiedervereinigten Partito Socialista Italiano (PSI). Eine neue Mehrheit um den Minister für öffentliche Arbeiten, Giacomo Mancini, drängt nach links und sucht nach einem Brückenschlag zu den Kommunisten. Gegen den Willen der sozialdemokratischen Minderheit, die’sich diesem Kurs widersetzt, wollen sie Mancini zum Parteisekretär machen.

Parteichef Nenni verschob eilends einen offiziellen Jugoslawien-Besuch, um das Partei-Schisma abzuwenden. Auf der zweitägigen Sitzung des PSI-Zentralkomitees Ende voriger Woche verlangten die Sozialdemokraten zunächst eine Vertagung der Beratungen, die Minister Preti (Handel) und Tanassi (Industrie) drohten die Niederlegung ihrer Regierungsämter an. Eine Versöhnung gelang nicht, doch sorgten die ausstehenden Wahlen in Sardinien und Südtirol vorerst, für einen brüchigen Burgfrieden.