Für Verhandlungen mit Großbritannien über einen Beitritt zur EWG und die Aufhebung des Waffenembargos gegen Israel haben die beiden nichtgaullistischen Bewerber um das Amt des französischen Staatspräsidenten, der Sozialist Gaston Defferre und das interimnistische Staatsoberhaupt Alain Poher, eingetreten. Mit dem Beginn der Fernseh- und Rundfunkansprachen, auf die sich Poher beschränken will, erreichte der Wahlkampf einen ersten Höhepunkt.

Der Gaullist Pompidou ("Ich habe die meisten Trümpfe, ich kann eine Regierung bilden, ich kann eine Mehrheit finden, ich halte in Streßsituationen durch") versucht indessen das Rennen als geläuterter Erbe de Gaulles zu machen. Aber in der letzten Schnellumfrage der vorigen Woche wollten ihn nur noch 41 (davor: 43) Prozent der Franzosen im ersten Wahlgang wählen – nur ein, Prozent mehr als das Minimum, das Pompidou selbst als kritisch ansieht.

Inzwischen hat Defferre seine Position verstärkt, indem er den noch immer populären Mendès-France als Ministerpräsidenten seiner Wahl vorstellte. Sollte die Entscheidung im ersten Durchgang gegen den Bürgermeister von Marseille fallen, will Defferre seine Kandidatur zurückziehen, um Poher den Weg zum nicht mehr unmöglichen Sieg freizugeben.