Prag verfügt derzeit über 22 feste Theater, die fast allabendlich ausverkauft sind. Da die Eintrittspreise mit fünf bis maximal zwanzig Kronen durchaus erschwinglich sind (Durchschnittsgehalt 1500 Kronen) setzen sich die Theaterbesucher aus allen Schichten zusammen.

Geringerer Beliebtheit erfreut sich seit dem Weggang Otomar Krejčas, dessen "Romeo"- und "Möwe"-Inszenierungen für Prag schon Legende sind, lediglich das Nationaltheater. Aber da jeder Tscheche den Wunsch hat, wenigstens einmal in seinem Leben in diesem Theater gesessen zu sein, bleibt der Direktion die Möglichkeit, auf die Landbevölkerung auszuweichen und sie mit großen CSAD-Bussen in eine Vorstellung zu führen, wo man ihr dann als Hochgenuß die bunte Bilderbuch-Inszenierung der "Verkauften Braut" präsentiert. Und wenn zum Schluß der Jenik seine Mařenka in die Arme schließt, so steht ein verständnisvolles, glückliches Lächeln auf den Gesichtern der Zuschauer.

In der kommenden Saison werden Josef Svoboda und Frantisek Pavliček – derzeit noch Vorstand des Weinberger Theaters – als neue Direktoren dem Nationaltheater den Weg weisen. Und da Svoboda soeben mit seiner speziell für das Tyl-Theater entworfenen, äußerst stimmungsvollen "Giovanni"-Szenerie (als Grundkonzeption setzt er die Logen des Zuschauerraumes auf der Bühne fort) in aller Munde war, darf man auf die Folgen der neuen Direktion gespannt sein.

Apropos "Giovanni": Seit der Uraufführung im Jahre 1787 wird die Oper an dieser historischen Stätte erstmals wieder italienisch gesungen – für Prager Opern-Fans eine Sensation.

Die dritte Bühne im Rahmen des Nationaltheaters, das Smetana-Theater, unweit vom Hauptbahnhof, ist derzeit geschlossen, da hier wie im ganzen Stadtbild Bauarbeiten, im speziellen Fall gelten sie einem neuen Parlamentsgebäude, ihre Rechte fordern.

Prag, als hunderttürmig und golden gepriesen, ist derzeit, eine einzige Baustelle und entsetzlich verschmutzt. Auch das Kleinod unter den vierzehn Prager Brücken, die Karluv most, wurde in die Großbaustelle Prag einbezogen: eine Hälfte der berühmten Skulpturenallee ist hinter Holzgerüsten versteckt und durch eine aufgestockte Holzbrücke, die den Fußgängerbetrieb trotz Renovierungsarbeiten aufrechterhalten soll, bis zur Unkenntlichkeit überdeckt.

Doch noch einmal zurück zum Theater in die Ve Smečkách, eine Seitengasse des Wenzelplatzes, wo allabendlich Prags Jugend – die Mädchen haben eine Vorliebe für Mini und wasserstoffblond, die Jungen für Mao-Look – in den Cinoherni Club strömt