In den letzten Apriltagen galt das Interesse zwei Uraufführungen: Pavel Landowsky, brillant-komischer Hauptmann in Gogols "Revisor", ist. unter die Dramatiker, gegangen und präsentierte mit großem Erfolg seinen Einakter "Hodinovy hotelier" ("Der Inhaber des Stundenhotels"), ein Vierpersonenstück, in dem es um die zwischenmenschlichen Beziehungen geht, demonstriert am Verhältnis von zwei alten Männern, die ihr Zimmer zu eindeutigen Zwecken an ein Liebespaar vermieten. Regie führte hier der vielbeschäftigte und bereits etablierte Jungfilmer Evald Schorn (1966 Filmpreis in Pesaro für "Jeden Tag Mut"), von dem man als Auftakt des Abends eine köstliche "Carmen"-Parodie als Film – "Carmen, nicht immer von Bizet" – sah.

Eine andere Uraufführung – und zwar in den Kammerspielen der Prager Städtischen Bühnen – galt Ivan Klimas "Porota" (Die Geschworenen), wo die Zweifelhaftigkeit der Urteilssprechung an einem Todesurteil mit ungeheurer Intensität und Spannung aufgerollt wird. Ein Stück, dem man sicher bald auf den deutschen Bühnen begegnen wird. In den Kammerspielen verblüffte eine originelle; szenische Lösung: Der Gerichtssaal wurde durch, an der Bühnenrückwand untereinander befestigte Stuhlreihen angedeutet.

Das Theater am Geländer, als Exportartikel in der ganzen Welt bekannt, spielt in seinem kleinen Haus am Moldauufer seit Januar eine modernisierte Fassung von Shakespeares "Timon von Athen" – totales Theater, das man sich: als Besucher der tschechischen Metropole um keinen Preis entgehen lassen, sollte. Der Hauptdarsteller Jan Přeučil hat mit dieser Rolle den Wettbewerb der Theaterzeitungen gewonnen. Das stilvolle Foyer des Theaters ist ein reizvoller Treffpunkt zu angeregten Diskussionen.

In den letzten Apriltagen haben nicht nur die Studenten der philosophischen Fakultät, sondern auch die der Theaterakademie gestreikt. Und da im Theater am Geländer ein Teil, von ihnen beschäftigt ist, wurde aus Anlaß des Streiks vor der "Timon"-Vorstellung eine Proklamation verlesen, in der man die Zensur als Rückfall in die Novotny-Ära anprangerte und – unter dem Beifall des Publikums – Immunität für die Akademie forderte.

Immer mehr in den Vordergrund spielt sich das etwas abseits gelegene, durch seine Abstecher aber auch in der Umgebung Prags sehr bekannte Neumann-Theater. Seit es vor zehn Jahren die tschechische Erstaufführung der "Mutter Courage" brachte, behauptet es einen aktuellen Spielplan: Audiberti, Miller und Albee. Zur Abwechslung bemühte man sich auch um die Antike und stellte – für Prag völlig neu – einen stilechten Ödipus mit Masken und gesungenem Chor auf die Bühne.

Natürlich übt auch der Film in Prag seine große Anziehungskraft aus. Im April gab es drei westliche Hits: "Blow up", "Das Schweigen" und "Alexis Sorbas". Daneben als tschechische Eigenproduktion: die filmische Adaption von Milan Kunderas Bestseller "Scherz" ("Zert"), der die Probleme der tschechischen Intelligenz in den fünfziger Jahren behandelt, mit Josef Somr, dem umwerfend-komischen Ossip des "Revisors", in der Titelrolle – und Evald Schorms Eskapaden eines Kirchendieners, "Farařǔ Kònec", mit Vlastimil Brodsky vom Weinberger Theater. Auffallend ist, wie viele Regisseure und Schauspieler in Prag für Theater und Film gleichzeitig arbeiten,

An Ausstellungen bietet Prag zur Zeit: Rembrandt, Klee, Wotruba und, sehr liebevoll betreut, das Werk des tschechischen Barockmalers Peter Brandl.