Von Rolf Diekhof

Die Rechtsanwälte Dr. Gleiss, Dr. Lutz, Dr. Hirsch, Dr. Kleinmann, Dr. Helm und Dr. Kemmler sehen schweren Zeiten entgegen. Die Doktores domizilieren in Stuttgart und wählen zu den renommierten deutschen Rechtsexperten für Streitfragen des Kartellrechtes. Sie haben diesmal ungewöhnliche Kundschaft – die Reedereien Hamburg-Amerika-Linie (Hapag) und Norddeutscher Lloyd. Das Bundeskartellamt (BKA) in Berlin fordert von ihnen Rechenschaft über gewisse Kartellpraktiken auf hoher See – ein in der europäischen Schiffahrt einmaliger Fall.

Der Ärger begann, als im Herbst 1966 die Pläne von Achille Lauro, italienischer Reeder und ehemaliger Bürgermeister von Neapel, bekannt wurden. Die Frachter der "Linea Lauro" sollten für einen neuen Dienst von Triest nach Fernost fahren.

Mit diesem Dienst wagte sich Lauro in das Reservat der Fernost-Konferenz, einem internationalen Kartell von Reedern, die ein Monopol auf den Routen von Europa nach Fernost für sich beanspruchen. Hapag und Lloyd sind Mitglieder dieses Kartells.

Den seriösen Konferenzreedern war der newcomer Lauro nicht gut genug: Lauro-Schiffe gelten in ihren Kreisen als veraltet, Lauro-Dienste als unzuverlässig. Zudem schien ihnen das natürliche Ladungsaufkommen" von Triest zu gering für einen neuen Dienst. Lauros Antrag auf Aufnahme in die Konferenz wurde abgelehnt.

So fuhr Lauro (und fährt auch heute noch) als Außenseiter. Und er fährt – wie bei Außenseitern üblich – weitaus billiger als die Konferenz-Reeder. Bevor jedoch der erste Lauro-Frachter aus dem Hafen von Triest dampfte, hatte die Konferenz den billigen Weg nach Fernost für die potentiellen Kunden in Süddeutschland blockiert: Man machte Triest zum Konferenzhafen. Zuvor hatte sich die Konferenz auf die nord- und westeuropäischen Häfen beschränkt.

Die Aufnahme Triests in die Konferenz erscheint wirtschaftlich als eine unsinnige Regelung. Durch den Suezkanal (er war damals noch offen) ist der Seeweg von Triest nach Fernost rund 2000 Seemeilen kürzer als von Hamburg oder Bremen. Die Aufnahme in die Konferenz aber bedeutet gleiche Frachtraten nach Fernost von allen Konferenzhäfen.