Der Sinn dieses Schachzuges ergibt sich jedoch aus den Spielregeln der Konferenzen: Wer in einem Konferenzhafen auch nur eine Kiste mit einem Außenseiter verlädt, der verliert auf allen Konferenzschiffen und auf allen Routen den Treuerabatt von 9,5 oder 10 Prozent. Die süddeutschen Exportindustrien – hauptsächlich Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektro und Chemie – sind auf die Dienste der Fernostkonferenz, zum Beispiel ab Hamburg und Bremen, angewiesen.

Der Sprecher einer süddeutschen Firma: "Auf die Dauer hätte uns der billige Transport mit Lauro viel Geld gekostet." Und da die Bahnfracht zum nahen Hafen Triest immer teurer ist, als dank der Vorzugstarife der Bundesbahn nach Hamburg oder Bremen, war es für die Süddeutschen sinnlos, über Triest zu verladen.

Zur bewährten Taktik der "feinen" Reeder bei der Verteidigung ihrer Monopole gegen Außenseiter gehören auch die Kampfrabatte. Auf Antrag und jeweils nur für solche Waren, die mit Lauro-Schiffen nach Fernost transportiert werden, gewähren die Reeder der Fernostkonferenz sogenannte Lauro-Rabatte – wenn es sein muß, erreichen sie 60 Prozent der festgesetzten Konferenzfrachtraten.

Der Interessenverband der deutschen Verlader (so nennt man im Frachtjargon die Kunden der Reeder), das Seeverladerkomitee, sträubte sich von Anfang an dagegen, Triest zum Konferenzhafen zu machen. Man stimmte schließlich doch zu, in der Hoffnung, die Konferenz würde später Zugeständnisse machen, die einen Ausgleich für die Süddeutschen gebracht hätten.

Doch alle Verhandlungen in den vergangenen zwei Jahren brachten keinen Erfolg. Der Vorsitzende des Komitees, Pinckernelle: "Die Konferenzen sind sehr hartnäckig. Sie wollen auf unsere Wünsche nicht eingehen."

Die Idee, die Sache mit Hilfe des Kartellamtes aufzurollen, kam schließlich vom Deutschen Industrie- und Handelstag. In einem Brief an die Handelskammer München schrieben die Experten: "Den betroffenen Firmen kann eigentlich nur empfohlen werden, sich einmal mit einer Anfrage an das Bundeskartellamt zu wenden, ob beim Verhalten der Konferenz nicht ein Mißbrauchstatbestand im Sinne des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) vorliegt." Das war im Sommer 1967.

Keine der "betroffenen Firmen" wagte diese Anfrage. Auch das Seeverladerkomitee mochte das Kartellamt nicht ins Spiel bringen. Pinckernelle: "Es ist bedauerlich, daß die beiden deutschen Reedereien vors BKA gekommen sind." Man hätte die Sache lieber in "privatem Rahmen" ausgehandelt – auch wenn die Aussicht auf Erfolg noch so gering erschien.