Das "Anregungsschreiben" für die Einleitung eines Mißbrauchsverfahrens wurde schließlich von Dr. Hackemann, dem Repräsentanten der Handelskammer Triest in der Bundesrepublik, unterschrieben und eingereicht. Hackemann: "Keiner wollte es machen."

Das Kartellamt drohte Hapag und Lloyd mehrmals ein Mißbrauchsverfahren an. Offensichtlich ließ man dabei auch durchblicken, daß im Falle einer gütlichen Einigung die Sache nicht weiter verfolgt würde. Mit der Androhung in der Hand führten die Verlader dann im Dezember 1968 mit den Reedern neue Verhandlungen in Genf.

Doch die Konferenz nahm die Chance nicht wahr. Frau Dr. Steinweg vom Verein Deutscher Maschinenbau-Anstalten .. (VDMA) in München: "Das war unverständlich, zumal bekannt war, daß das BKA im Falle eines Kompromisses nicht eingreifen würde."

Das Kartellamt seinerseits bemühte sich erst einmal um die Schadensfeststellung. Man bat in München und Stuttgart um Amtshilfe. Von Behörden und Industrieverbänden angesprochen, spielten plötzlich fast alle Firmen mit. Sie lieferten Unterlagen und Kalkulationsbeispiele, die beweisen sollen, daß ihnen der Schachzug der Fernostkonferenz alljährlich eine runde Summe kostet.

In Berlin wurde schließlich belegt und gemeldet, daß die Verluste in den süddeutschen Ländern in die Millionen gehen. Allein die Bayern kamen zu dem Schluß, daß der echte Verlust ihrer Exportwirtschaft bei den Seefrachttarifen durch Sperrung des Hafens Triest jährlich zwischen 3,5 und 5,7 Millionen Mark liegt.

Auf dieser Grundlage – die Richtigkeit der Schadensmeldungen wird allerdings von Hapag und Lloyd bestritten – ergeben sich für das Kartellamt zwei Ansatzpunkte: Mißbrauch von Kartellmacht (Paragraph 105 GWB) und Boykott beziehungsweise Diskriminierung von Wettbewerbern und Verladern (Paragraph 26).

Der Angelpunkt aber sind in jedem Fall die Rabatte, die praktisch zu einem, doppelten Ratensystem und damit verbunden zum Mißbrauch geführt haben. Direktor Gutzlaff vom Bundeskartellamt: "Das Prinzip, daß die Konferenzen Rabatte geben, ist für uns interessant."